Freitag, 31. März 2017

Überdosis





Alsterwasser bleibt, 
Überdosis müssen wir ja nicht nehmen,
und eins können wir neuerdings im Supermarkt kaufen:
ein Happy End – angeblich!

Trendy Gastgeschenke/Festival-Ausrüstung/Party-Gags springen hier auf jeden Fall raus für euch:

In einer Zeit, in der wir unsere Getränke so lokalpatriotisch definieren, dass wir nicht nur die Stadt oder das Viertel auswählen, sondern bis in Höfe hinein differenzieren,



ist die Idee
das Alsterwasser (für den Rest Deutschlands: die Hamburg-Version vom Radler) abzuschaffen* eine Schnapsidee. Sofort gab es eine Welle der Entrüstung, bis der Hersteller eine Abstimmung auf Facebook veranstaltete. 


Quelle: Facebook


Dank der überwältigenden Mehrheit der Stimmen


Quelle: Facebook

ist das Alsterwasser wieder Alsterwasser:


Quelle: Facebook

Entweder es war eine bittere Fehleinschätzung, oder ein elaborater Marketinggag – im letzteren Fall herzlichen Glückwunsch! Denn JanaBlog hätte sich ohne diese Aktion bestimmt nie auf die Astra-Facebook Seite begeben!

Auch andere versuchen gewitzt zu sein, zum Beispiel mit einem Glückskeks-Ersatz, nämlich einem Pechkeks**:





Perfekt für Halloween, ansonsten ein bisschen kurzlebig, oder? Aber liebevoll ausgearbeitet!




Aber keiner will sich wohl dauerhaft mit Pech beschäftigen, und auch der folgende Begriff hat eigentlich eine sehr negative Bedeutung für die meisten von uns:




Vielleicht haben die Fritz Kola-Leute sich das auch gedacht, denn die Überdosis*** ist nicht auf ihrer Website zu finden.

Die Waren-Welt ist aber schon weiter und wagt es,

Alkohol ganz offiziell als Happy End**** zu bezeichnen:







Nein! Alkohol ist nie ein Happy End, sondern für manche in Maßen(!) nur eine gelegentliche notdürftige Zwischenstufe!! 

Und diese
Produkt-Verpackung ist schon verharmlosend genug.
Richtig gefährlich wird es, wenn wie hier

Alkohol direkt neben Kinder-Süßigkeiten verkauft wird,
in Quengel-Griff-Höhe für Kinder und
mit typischen Kinder-Geburtstags-Farben und Formen versehen:
Happy End neben Unicorn klingt griffig, funktioniert aber nicht mit Alkohol.

Vielleicht wird dieser Likör aber trotzdem gut laufen, als einigermaßen witzig gemeintes

Mitbringsel für die Gastgeberin eines Kindergeburtstags, die das Happy End allerdings schnell gut verstecken muss. Die im Supermarkt anwesenden Mütter waren jedoch skeptisch – zumal die Flaschen eher an chemiehaltige Wandfarbe oder Nagellack erinnern und somit geschmacklich nicht unbedingt viel versprechen …








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Mittwoch, 15. März 2017

Für immer Braut







Was habt ihr davon, geheiratet zu haben?

Abgesehen vom Ehemann und Fotos: 

DAS KLEID.

Vielmehr: 

die Kleid-ERFAHRUNG.

Das Erlebnis, anmutig ein figurschmeichelndes Hingucker-Kleid zu tragen, und bei allen Anwesenden Schnappatmung zu verursachen.

Aber warum eine solche Erfahrung nur einmal im Leben machen?


(Vielleicht weil man seinen großen Tag blöd fand. Oder weil man aus tiefstem Herzen auch einen Tag DANACH nur auf Jeans und No-Make-up steht. Wem es so geht, kann hier aufhören zu lesen.)

Offenbar wächst die Sehnsucht nach weiblicher Anmut in Deutschland – danach, sich schön zu machen und wie eine Prinzessin auszusehen, auch bei Noch-Nur-Jeans-Trägerinnen:

- In den letzten 15 Jahren wurde eine Flut an Brautmoden-Geschäfts-Palästen eröffnet.
- Seine (Schwieger-) Mütter, Geschwister und Freundinnen zum Aussuchen des Brautkleids mitzunehmen/mitgenommen zu werden ist zur wichtigen sozialen Status-Währung geworden.
- Das Programm eines großen Fernsehsenders besteht zum guten Teil aus Sendungen über Hochzeiten und Hochzeitskleider-Einkauf (und zum Glück mittlerweile auch: aus allgemeinen Styling-Sendungen)*.
- Es ist eine Vorstufe dazu eingeführt worden: Abibälle in großer Robe.
- Und die Sehnsucht bricht sich Bahn wo sie kann – der neue 
Oktoberfest-Überall-Boom ist für Frauen vor allem eins: die Gelegenheit, gut in einer taillierten dekolletierten Tracht auszusehen (weil einfach alle Frauen in einem Dirndl großartig aussehen).

Und es könnte ja keinen größeren Gegensatz geben – zwischen unserem 
Jeans/T-Shirt-Alltag und einem Brautkleid. Es sieht doch so aus: als Verlobte einen Brautmode-Laden betreten, Jeans in die Ecke pfeffern und aus der Kabine herauskommen im (richtigen!) Brautkleid – als eine komplett neue Frau. Für viele ist dieser Augenblick das allererste Mal in ihrem Leben, dass ihre Umgebung den Atem anhält wenn sie den Raum betreten.

Vor 150 Jahren war der Gegensatz zwischen Alltagskleidung und Brautkleid überhaupt nicht so groß, und noch heute ist eine Trachten-Braut nicht so auffällig anders angezogen als in ihrer gewöhnlichen Fest-Tracht (ja, das gibt es noch).

Dann kam irgendwann der kürzere Rock und die Jeans. Danach war in unserem Mode-nüchternen Land der Weg zurück zur anerkannten Prinzessin nicht einfach:
Noch vor 20 Jahren fiel man auf mit einer großen weißen Hochzeit. Dann kam die Phase in der die Bräute vorsichtig die Brautmode-Läden betraten und das Wort „schlicht“ vor sich hertrugen (und dann doch ab und zu Prinzessinnen wurden). Und heute ist es völlig normal, selbst als toughe Business-Frau den Wunsch nach einem Lillifee-Kleid, Glitzer und Spitze im Geschäft von vornherein auszusprechen und sich dabei sogar fürs Fernsehen und Internet filmen zu lassen.

Dabei dressen sich doch alle regelmäßig zum Feiern auf!
Das scheint aber als Schönheits-Erfahrung nicht zu reichen. Weil es etwas etwas Anderes ist – mit der Party-Klamotte versucht man so viel Body-Kapital wie möglich zur Geltung zu bringen, aber auf eine wenig geheimnisvolle, sondern am liebsten klare Art und Weise. Und seien wir ehrlich, richtig optimal gestalten die Klamotten die Figur nicht immer. Sie ZEIGEN sie, aber machen Sie nicht unbedingt schön, spielen nicht den persönlichen Vorzügen der Figur, mit Verhüllung und gleichzeitig Dekolleté und Taille ….

Die Sehnsucht strebt offensichtlich nicht nur danach, sich mal hübsch zu machen, sondern regelrecht für einen Tag Prinzessin zu sein,
die Lebens-Erfahrung zu machen, anmutig, edel, (nur) die richtigen Kurven betonend und weiblich zu wirken!


Die Sehnsucht nach dem großen Auftritt ist international,
dies gesehen in China

Dementsprechend ist diese Initiationserfahrung (in Deutschland besonders unauffällig aber) fest in der weiblichen Kultur verankert – angefangen von der Barbie-Hochzeits-Puppe über das Aschenbrödel im glitzernden Abendkleid oder 
Pretty Woman, die ihre königliche Haltung erst findet, als sie im edlen Abendkleid in die Oper ausgeführt wird.

Wie lange die Sehnsucht nach einer solchen Erfahrung manchmal zurückgehalten wird sieht man dann, wenn eine athletisch gebaute Ende 40-jährige mit drei Kindern für ihre zweite Hochzeit den Brautkleid-Laden betritt und sich ein märchenhaftes Kleid wünscht „mit so vielen Glitzer-Steinchen und Schleppe wie möglich“. Da wird man doch ein bisschen traurig und denkt sich:

Warum darf man all das nur, wenn/falls(!) man eines Tages heiratet?

Und selbst danach: Es kann doch nicht die Lösung sein, auf einen 
Brautkleider-Ball** gehen zu müssen – ja das gibt es: man zieht noch einmal sein Hochzeitskleid an und geht auf einen Ball, wo alle anderen ebenfalls im Hochzeitskleid mit ihren Partnern versuchen, das Gefühl des schönen Tages wieder herauf zu beschwören.

Oder an einem Kostümball auf Schloss Moritzburg*** teilnehmen zu müssen, der den Ball aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nachspielt – ja, auch das gibt es wirklich!

Auf „normale“ Bälle gehen, in einem langen Abendkleid strahlen, das ist schon mal eine Möglichkeit, aber wie viele gibt es schon davon? Und was wenn euer Partner nicht gern tanzt?


JanaBlog-Idee:

Die Hochzeitskleid-Erfahrung als Startschuss, als Sprungbrett in ein neues Leben ansehen!

Und sei es auch nur, dass man die Magie des Mascara entdeckt hat und diese eine kleine Veränderung beibehält jeden Tag – schon so etwas kann das Leben verändern.

Einfach täglich wenn man morgens aus dem Haus geht, bei jedem Shoppingtrip, bei jeder Party, beim Kauf eines (figurschmeichelnden) Kleides für die nächste Feier, beim Kauf einer (gut sitzenden!) Jeans (vergleiche Styling-Fernsehsendungen):

sich angewöhnen, für eine Sekunde an einen besonders schönen Brautkleid-Auftritt-Augenblick von eurem Hochzeits-Tag zu denken,

und damit einen Hauch der Haltung einer Braut, einer Prinzessin, einer Königin beibehalten – innerlich und äußerlich.

Während des Erinnerns richtet sich der Körper ganz von alleine auf, die Schultern entspannen, der Schritt wird anmutiger und sicherer.

Auch Männer mögen übrigens figurbetonte Kleider – nicht dagegen unbedingt die Jeans (egal was sie offiziell sagen). Macht ruhig mal den Test – genauso wie ein Brautkleid, das Taille zeigt/macht, ist ein Kurven-betonendes Kleines Schwarzes immer ein Hit!

Aber „wir ziehen uns ja für uns an“, und das Wichtigste ist,
einen Funken desjenigen Gefühls zu bewahren, das in euch sprudelte, als ihr kostbar und strahlend an eurem großen Tag die Bewunderung eurer Umgebung gespürt habt, wie eine warme Welle.

Weiterer schöner Nebeneffekt?

Ihr könnt ein wenig von dem immensen Druck auf euren Hochzeits-Kleid-Tag wegnehmen, ein wenig entspannen, denn so kitschig und Prinzessinnen-mäßig es auch klingt, es stimmt:

Ihr dürft auch nach eurer Hochzeit noch schön sein!





* Vox: Vier Hochzeiten und eine Traumreise http://www.vox.de/cms/sendungen/4-hochzeiten-und-traumreise.html,
Schrankalarm und Shopping Queen,


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Mittwoch, 8. Februar 2017

Kinder? Eltern!








Gesehen im Prinzessinnengarten Berlin
Werdet ihr bald was sagen dürfen
wenn Kinder im öffentlichen Raum Grenzen überschreiten und
ihre Eltern wortlos danebenstehen?

Ohne als kinderfeindlich bezeichnet zu werden?

Vermutlich, denn es scheint immer mehr zu brodeln, als ob die Uhr ticken würde, demnächst jemandem der Kragen platzen würde.

Dabei gibt es ungefährliche Formulierungen, die zuallererst diejenigen retten könnten, die am meisten zu leiden haben unter der neuen öffentlichen Kinder-Freiheit:
Die Verkäufer im Einzelhandel.


JanaBlog hat sich noch nie etwas getraut, aber um sie herum braut sich was zusammen:
Ihr kennt das bestimmt auch alle – wenn alle Gespräche im Laden erstorben sind und peinliche Stille eintritt.
Wenn sich alle Blicke zum anwesenden Elternteil des Kindes richten.
Oder wenn im Café um euch herum mehrere Gespräche über ungezogene Kinder auffällig laut stattfinden, gerade in einer Lautstärke, dass es die Eltern hören könnten, aber nicht so, dass es als Angriff wirken würde.
Da scheint es nur noch eines winzigen Schritts zu bedürfen, laut etwas zu den Eltern selbst zu sagen.

Beispiel?

Ein hektischer Samstagvormittag in einer Apotheke in einem Akademiker-Hipster-Viertel in Hamburg: eine Mutter-Kundin mit einem schlafenden Säugling im Tuch und einem etwa achtjährigen Jungen.

Die Mutter hält ungefähr zehn wartende Zukunfts-Kunden auf, indem sie der Apothekerin nach Abwicklung ihrer eigentlichen Bestellung noch Rätsel aufgibt – „…Ich suche eine Creme, die war in so einem grünen Tiegel, ich weiß gar nicht ob ich es aus einer Apotheke hatte, könnten Sie nachschauen? Wie sie hieß weiß ich nicht, …“

Während die Apothekerin hektisch versucht im Computer kreativ zu werden, stützt sich der Achtjährige auf den Tresen, steckt sein Gesicht in ihr Gesichtsfeld und fragt ob er einen „dieser Anhänger“ bekommen könne (er ist anscheinend Profi und war schon ein paar Mal da, als die Apotheke letztens großzügig irgendwelche Schlüsselanhänger für Kinder ausgab).

Die Apothekerin möchte ihm völlig offensichtlich auf sein großspuriges Auftreten hin oder wahlweise: zum zehnten Mal nicht einen Anhänger geben und sagt sie glaube nicht, dass sie noch einen hat.

Was macht der Junge? Er quetscht sich hinter die Ladentheke (auf eine hohe Stufe, hinter den Tresen kletternd wo sich tatsächlich nur die Verkaufenden aufhalten dürfen – in einer Apotheke mit allerlei Medikamenten und sonstigen offen liegenden Dingen –) und sagt, in einer Kiste unter der Kasse wühlend: "Da ist doch noch ein Anhänger!"  Die Mutter vor der Ladentheke sagt nichts, obwohl ihr Baby vollkommen ruhig ist und es auch sonst nichts zu tun gibt – nicht einmal ihr iPhone ist im Betrieb.

Die immer gestresstere Apothekerin hat die zehn wartenden Zuschauer im Blick, nickt dem Jungen mit einem Seufzer kaum wahrnehmbar zu, um ihn loszuwerden, und er quetscht sich mit seiner Beute zurück in den Verkaufsraum.

Während dieser Szene senkt sich Stille über den Laden. Alle halten den Atem an und schauen zur Mutter, die so tut als ob nichts wäre. Das hält sie auch durch als sich ihr Junge anschließend auf die Dreh-Regale neben ihr stürzt, sich auf ihnen dreht und auf ihnen surft. Diese sind ja auf Rollen und damit sehr instabil – sie machen nicht nur einen Heiden-Krach und können beschädigt werden, sondern sind für das Kind zum Ausrutschen oder Umfallen durchaus nicht ungefährlich. Die Spannung steigt im Raum, wäre der Krach nicht so deutlich, würde man eine Stecknadel fallen hören … Und JanaBlog meint das Tick-Tick-Tick im Hintergrund zu hören …

Jeder Verkäufer könnte zig solche Geschichten erzählen,
man muss nicht unbedingt ein Angestellter in einem Laden mit für Kinder leicht zugänglichem Modeschmuck sein, um seine Zähne bereits halb ab-geknirscht zu haben beim routinierten professionellen Lächeln. Verkäufer berichten tatsächlich von solchen Situationen als dem größten Stressfaktor wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt.


Am Eingang eines Einrichtungs-Ladens
 im Prenzlauer Berg, Berlin
Die Definition und der Respekt des öffentlichen Raums hat sich verändert. Kann man so machen, da kann man sich als Gesellschaft drauf einigen, kein Problem.

Cafés in denen sich Leute zu ernsthaften Gesprächen nicht treffen wollen, weil ihnen dort „zu viele Mütter“ sind, Hotel-Wellness-Abteilungen, die gemieden werden, weil manche Familien die ihnen zugeteilten Kinder-Pool-Nutzungs-Zeiten nicht respektieren und Kinos und Bars(ja, kein Tippfehler!), in denen kleine Kinder sogar nach Mitternacht herumtoben (verständlicherweise, völlig übermüdet), sind zum neuen Alltag geworden.

Aber so wie die Menschen hinter vorgehaltener Hand reden scheint es doch nicht sooo akzeptiert zu sein. Und die Unzufriedenheits-Linie verläuft nicht zwischen Kinder-habenden und nicht-habenden Menschen, Eltern sind diesbezüglich genauso kritisch, insbesondere wenn sie mal selbst ohne Kinder unterwegs sein wollen (http://muttis-blog.net/2014/01/05/hotels-und-restaurants-ohne-zutritt-fur-kinder-ein-skandal-ein-segen/).

Und trotzdem ist es immer noch ungewöhnlich und fühlt sich ein bisschen nach Shitstorm-Gefahr an, wenn man irgendwo ein Schild findet wie in einem japanischen Restaurant in Berlin, das Kindern unter zwölf Jahren den Zutritt verbietet. (Zur Verhinderung eines Shitstorms gibt JanaBlog hier nicht den Namen des Restaurants an, dieser kann auf Anfrage nachgereicht werden.).


Was man tun könnte?

Hier ein paar

JanaBlog Ideen:

Bevor einem der Kragen platzt, vielleicht ganz höflich die Eltern (immer die Eltern, sie sind zuständig) ansprechen:

Als Wirt oder Verkäufer:

Es tut mir leid,
- aus Sicherheitsgründen darf hier niemand hinter den Tresen/Ladentheke/Bar,
- die drehbaren Ausstellung-Türme sind nicht abgesichert, das könnte ein bisschen gefährlich werden (für Ihr Kind)
- bevor Sie gehen bin ich verpflichtet den Bestand der Ohrringe dort in der Ecke zu überprüfen …

Als Café-Besucher:

Entschuldigung, ich wollte nur sagen, dass es
- in unserer Ecke so laut ist, dass wir uns nicht verstehen können
- wir ein bisschen Angst haben, dass Ihre Kleine, die über unserem Tisch auf dem Felsen herumklettert(wahre Geschichte), auf unseren Tisch fallen könnte …


So vielleicht nicht unbedingt – Edgar Karte

Wichtig:

- Es nicht so weit kommen lassen, dass man aus der Haut fährt.
- So oft wie möglich völlig neutral formulieren, denn es besteht doch immer die Möglichkeit dass die Eltern einfach so zerstreut sind, dass sie zufällig übersehen haben dass die Kinder außer Rand und Band sind. Und sobald sie hören, dass andere sich betroffen fühlen, werden sie natürlich sofort intervenieren!
- Und auf Sicherheitsbedenken und eure Pflichten hinzuweisen – auch wenn ihr sie aus dem Stegreif erfunden habt – ist kein Flunkern. Solche Befürchtungen entsprechen ja völlig der Realität! Denn was passiert der Apothekerin, wenn der Ausstellungs-Turm auf das Kind fällt? Oder der Verkäuferin, wenn ein Kind in einem Schmuck-Laden einen Ohrring verschluckt?

Nur einmal hat JanaBlog eine Heldin des Alltags erlebt, die das Undenkbare gewagt hat, und sogar weit über die hier erwähnten Ideen hinausgegangen ist:

In einem Secondhandladen, in einem ähnlichen Viertel wie dem mit der Apotheke, mit einem alten Holzboden der selbst bei normaler Benutzung knirscht und laut hallt. Die Verkäuferin ist dabei sich an der Kasse zu konzentrieren, um zu entscheiden, welche Ware sie von der vor ihr stehenden Kundin annimmt und welche nicht. Den Laden betritt eine Mutter mit einem mindestens zehnjährigen Jungen, der einen kleinen Ball ununterbrochen gegen den lauten Boden wirft.
Umpf,
Umpf.
Umpf,
Umpf. …

((Tick. Tick. Tick.))

Da hebt die Verkäuferin den Kopf, schaut den Spielenden quer durch den Raum ganz ruhig an und sagt mit fester Stimme: „Entschuldige, das mit dem Ball ist ein bisschen laut und ich muss mich hier konzentrieren, das stört ein bisschen. Könntest du damit aufhören?“

Die Spannung ist in der Stille förmlich mit den Händen zu greifen, keiner der restlichen Kunden wagt sich zu bewegen, es ist als ob man einen Unfall beobachten würde, jede Sekunde eine kleine Ewigkeit. Was würde die Mutter machen?

– – – ............. Der Junge schaut die Verkäuferin an, als ob er einen Geist sehen würde, und hört vor Schreck mit dem Ballspiel auf. Er sieht so aus, als ob ihm noch niemals jemand so etwas gesagt hätte – und eins dürfte stimmen: ein Fremder wird ihm eine ähnliche Frage vermutlich noch nie gestellt haben.

Und die Mutter? Sie schien zu versuchen regungslos mit ihrer Umgebung zu verschmelzen wie ein Stealth-Bomber – aber genau weiß das niemand, denn keiner traute sich, zu ihr hinzuschauen. Zu hören jedenfalls war nichts.

Naja, vielleicht gibt es ja Hoffnung auch für diejenigen, die sich nicht trauen. In letzter Zeit hört JanaBlog von verschiedenen Twentysomethings wie sie sich beschweren, dass das Shoppen keinen Spaß macht, weil die Mütter (ihres eigenen Alters) ihre Kinder in die Umkleidekabinen mitbringen. Warum „sie ihre Kleinen denn nicht für die paar Stunden beim Mann oder Oma oder sonstig babysitten lassen, oder eben mal online einkaufen könnten, oder sich nicht unter der Woche einen Tag frei nehmen würden, wenn das Kind im Kindergarten ist?“, mosern sie sichtlich genervt …

… Wer weiß, möglicherweise kommt es ja gar nicht dazu, dass jemandem der Kragen platzen muss, vielleicht sagt die neueste Generation ja was, ganz entspannt!

Aber so oder so: Tickt da eine Uhr, oder beißen alle weiter die Zähne zusammen?






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Montag, 30. Januar 2017

Wie 2017 tragen?





Jetzt überlegen, was wir im Frühling und Sommer 2017 tragen wollen.

Aber vor dem Zücken der Kreditkarte kurz innehalten 
und sich die Geldbeutel-schonende Frage stellen:

WIE können wir die neue Mode tragen, so dass es zumindest gut aussieht, im besten Fall sensationell?

WO können wir uns was abgucken?

Der Street Style bei den Fashion Weeks ist ideal um sich zu informieren, und da muss ich diesmal feststellen: Wir behaupten zwar immer, es gäbe keine Mode mehr, aber

diesmal trugen alle irgendwie das Gleiche:


Foto: Phil Oh für Vogue, Outfits: Gucci 

Selbstverständlich
trugen alle Gucci, und bei aller aufrichtiger JanaBlog-Bewunderung des momentanen Gucci-Designers war mir das schon fast ein bisschen zu viel. Und obwohl es normalerweise wunderbar geschmackvoll getragen wird, kann ich nur warnen,
man kann es auch übertreiben und wie in einer uncoolen(!) Variante eines Pyjamas herumwandeln. Hier noch dazu zu zweit, was den bemühten Eindruck nur peinlich verstärkt.
  
Dann mein geliebtes
Korsett von Prada (http://janablog1.blogspot.de/2016/03/korsett.html), das musste nun wirklich jeder anhaben. Aber Achtung, es darf nicht zu halbherzig daherkommen, und die richtige Figur muss man auch haben.

Ich gebe zu, es ist nicht einfach es richtig zu tragen, und hier ist der Ansatz völlig safe, aber eben dadurch dann doch zu unauffällig-schüchtern:


Foto: Phil Oh für Vogue


Das Aufeinandertreffen von Materialien muss schon prägnant sein, um wirklich ironisch zu wirken, ganz gut gelungen hier:


Foto: Phil Oh für Vogue


Die Wirkung verliert sich aber wie im nächsten Bild, wenn man das Korsett
zwar besonders cool tragen möchte – das gleiche(!) Kleid wie vorhin, raffiniert mit dem Ledermantel – aber
Modelmaße hat – sprich: Ohne Kurven geht das Korsett unter.


Foto: Phil Oh für Vogue


Schließlich ist es zumindest von Prada selbst eher so gemeint:




Dekonstruierte Röcke sind einfach wunderbar, und schon hier sieht man welche Gefahr für diesen Frühling-Sommer 2017 besteht – nämlich
dass wir alle das gleiche tragen, und dann sieht es so aus: 


Foto: Phil Oh für Vogue

Und des Stripe-Stoff, den man im Foto auch als trendige schulterfreie Bluse sieht hängt ja schon seit Ewigkeiten bei ZARA, man hat sich daran schon fast satt gesehen noch ehe er richtig zur Mode geworden ist.

Und bei aller Liebe zur Mode, geradezu Fashionvictim-mäßig und langweilig sieht das aus, wenn wir alle die gleichen – ursprünglich als rebellisch konzipierten –  Leder-Taschen vom Vetements-Designer, diesmal für Balenciaga spazierenschleppen:

  
                                                                                                       Foto: Acielle Tanbetova für New York Times

Beschriftete T-Shirts sind als Idee schon etwas erschöpft (http://janablog1.blogspot.de/2016/02/wieder-worter.html), nicht weil es nicht Spaß machen würde, sondern weil es so schwer ist gute Texte zu finden. Das
T-Shirt von Dior zum Beispiel das behauptet, dass wir alle Feministinnen sein sollten ("WE SHOULD ALL BE FEMINISTS") wirkt ein bisschen oberlehrerhaft, wurde aber fleißig von (gefühlt allen) Teilnehmerinnen der Couture-Fashion Week in Paris in diesem Januar 2017 getragen:


Foto: Acielle Tanbetova für New York Times
Dieses Foto zeigt gut, wie das Must-Have- Dior-T-Shirt
aussieht - getragen natürlich auch von einer der erfolgreichsten
Mode-Bloggerinnen Chiara Ferragni 

Hier jedoch sehen wir bei dem Herrn rechts, wie künstlich, abgeschmackt und längst jenseits von Cool so manche Variante aussehen kann. Er wurde übrigens sehr gerne und mehrfach fotografiert und veröffentlicht, war also erfolgreich mit seinem Outfit:  

Foto: Acielle Tanbetova für New York Times

Zum Schluss noch
die perfekte Jeans dieser Tage, optimal getragen! 

Man beachte, sie muss ausgefranst sein und der Vorteil dieses Looks: Ihr deckt noch einen zweiten Trend ab, nämlich den

T-Shirt und drüber ein Spaghettiträger-Top-Trend“. Damit könnt ihr übrigens auch sofort anfangen, indem ihr statt eines T-Shirts einen dünnen Rolli nehmt! 

Foto: Phil Oh für Vogue


Jetzt seid ihr für den Frühling/Sommer 2017 perfekt vorbereitet – oder?? 
Welchen Trend hättet ihr hier noch gern gesehen?




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Mittwoch, 18. Januar 2017

Monstrous Regiment









Einfache Lösungen an Fakten vorbei? Das wäre schön. Wer die verspricht, hat einen Vorteil.

Wir modernen Menschen können einem solchen Phänomen allerdings nicht aufsitzen. Wir orientieren uns an fundierten Informationen, können Komplexität aushalten und Eindeutiges ist uns eher verdächtig. Denn wir sind die Guten, diejenigen die offen sind, globalisiert, umweltbewusst, tolerant und vor allem: intelligent!

Wirklich?

JanaBlog jedenfalls schafft es im Privatleben(!) nicht immer

nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen und
Sachverhalte nicht ungebührlich zu vereinfachen

und das macht durchaus was aus!




Die folgenden Beispiele werden euch vielleicht längst klar sein,

JanaBlog jedenfalls wird seit Jahren ganz einfach im Alltag vor Augen geführt, 
wie unbekümmert sie sich Informationen nicht nur in der virtuellen, sondern in der analogen Welt einbildet – lange bevor es Fake-News gab – 
und wie wenig Ahnung sie dabei von der Welt hat:

Beim Floristen empörte sie sich fleißig mit dem ahnungslosen Automatismus eines Umweltbesorgten als sie hörte, dass jeden Morgen ein großes Flugzeug aus Südamerika mit frischen Rosen ankommt, die sie dann preiswert kaufen kann. Das ganze CO2! Da entgegnete der Fachhändler cool, das wäre ganz im Gegenteil sehr gut für die Umwelt.*

JanaBlog-Annahme: Schuhe mit Absätzen tragen ist schlecht für Füße und Rücken! Das zumindest weiß doch jeder!
Leider falsch, wir sollten alle Absätze tragen!**

JanaBlog dachte, wir Deutschen wären unglaublich Umwelt-vorbildlich, Nummer 1 sozusagen. Wir trennen, fahren Fahrrad, und bilden uns einiges darauf ein. Sie fiel dann hinten über als sie vor ein paar Jahren sah, dass Deutschland auf der Liste der umweltfreundlichen Nationen nur im Mittelfeld war.***

Schon lange spendet JanaBlog nur noch Kleidung vor Ort in Deutschland, weil ihr eines Tages nach Jahren von Teilnahme an konventionellen Kleidersammlungen aufgegangen ist, dass sie damit nicht Gutes, sondern Schlechtes bewirkt hat.****

Jüngstes Beispiel: Am ersten Tag des Plastiktüten-„Verbots“ im Einzelhandel fühlte sich JanaBlog mit ihrer so umweltfreundlich aussehenden Papiertüte richtig gut. Bis sie am nächsten Tag las, dass die Maßnahme nicht nötig, sondern eben eher zum Wohlfühlen ist.*****


Ist schon klar, wir können nicht alles andauernd durchdenken, an allem zweifeln, und wir wollen uns alle als "die Guten" fühlen.

Und gut fühlt sich beispielsweise an zu behaupten, dass Bildung die Lösung wäre. Aber entgegen anderslautender Gerüchte – man kann es nicht oft genug betonen –
hat die chronische Vereinfacheritis nichts mit dem Bildungsgrad zu tun. Sie findet sich überall – ob am rechten Rand oder in angeblich fortschrittlichen Akademiker-Vierteln. Die Hochburg von denjenigen, die beispielsweise als Impfgegner generell “nicht an schulmedizinische Studien glauben“, ist nun einmal der Prenzlauer Berg.******

Jetzt was macht es überhaupt aus? Ist es nicht

Privatsache?

Wenn‘s einen selbst betrifft, meistens.
Wenn es Kinder betrifft, schon schwierig.
Und stimmt, nicht alle von uns beeinflussen andere Menschen,
nicht alle von uns erziehen Kinder und Enkel, nicht alle sind wir Aktivisten oder Politiker,
Lehrer, Chefs oder Journalisten, aber immerhin:

Jeder von uns trifft Entscheidungen, und

wir gehen wählen!

Was zumindest fürs Letztere bisher immer wieder unbewusst geholfen hat war der wohlbekannte Spruch „Nach uns die Sintflut“.
Nun hat sich aber leider ein zeitgenössischer Schriftsteller Gedanken dazu gemacht:

 „… Der Ausdruck »Nach mir die Sintflut« wird mal Louis XV. zugeschrieben, mal seiner Mätresse Madame de Pompadour. Er beschrieb ziemlich gut meinen allgemeinen Geisteszustand, aber es war das erste Mal, dass mich ein unbehaglicher Gedanke durchfuhr:

Was, wenn die Sintflut vor meinem eigenen Tod käme?“*******


                                                        … Da nimmt JanaBlog dann doch lieber schnell etwas Leichteres zur Hand und versucht sich an dem tiefsinnigen Unterhaltungs-Autor Terry Pratchett zu orientieren:

„The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to those 
who think they've found it."
                                                                             Aus dem Roman
                                                                             „Monstrous Regiment“






Zu all den Sternchen:
Alle diese Informationen ohne Gewähr – manches hat sich in der Zwischenzeit sicher geändert. Dies ist nur eine Skizze zum Einfühlen in die Tatsache, wie schwankend das Floß unseres Welt-Wissens in Wahrheit ist. Bezeichnenderweise hat JanaBlog diese „Informationen“ in ihrem Privatleben(!) nicht vollständig nachrecherchiert sondern verließ sich zum guten Teil auf Experten – wie bei einer Autoreparaturwerkstatt oder einem Arzt :

*Rosen:  …Denn durch Einführung der Rosen-Bomber konnten viele Treibhäuser in Holland, Norditalien und Dänemark schließen, die für die Rosenzüchtung heftig beheizt werden mussten und damit wurde CO2 eingespart.

** Absätze: … Das Gegenteil ist der Fall: Die Physis des zeitgenössischen Menschen ist mittlerweile so verändert, dass durch eine generelle Anspannung die hinteren Muskulatur von Rücken bis Fuß herunter so verkürzt ist, dass ein Absatz bis 4 cm in vielen Fällen sogar besser sein kann als flache Schuhe! Auch für Männer!!(Auskunft der angesehensten Schuheinlagen-Macher Hamburgs)

***Was hat den Unterschied zu JanaBlogs Wahrnehmung der Deutschen als Umwelt-Weltmeister ausgemacht? All das Mineralwasser! Die Otto-Normalverbraucher-CO2-Bilanz wird dadurch ruiniert, dass uns das Mineralwasser von weit her gebracht wird. Eine neuere Liste hier für euch, Deutschland ist immer noch nicht Nummer 1: http://www.ingenieur.de/Themen/Klima-Umwelt/Die-20-umweltfreundlichsten-Laender-Welt

**** Zigtausende Beschäftigte der Textil-Branche in Afrika haben ihre Jobs verloren, weil ihre Länder mit geschenkten Klamotten überschwemmt wurden (während die Zwischenhändler daran verdienten). Gut gezeigt in "Der Altkleider-Irrtum", Dokumentation WDR von Dieter Könnes.

Unter anderem: Papier sei Plastik nicht vorzuziehen, weil es viel mehr Energie und Ressourcen bei der Herstellung verbraucht und die Umwelt noch mehr belastet. Auch der Baumwollsack, der Nachfolger der Jutetüte, ist nicht per se die bessere Wahl. … Außerdem:
Die Plastiktüten-Verwendung in Deutschland sei eigentlich überhaupt kein wirkliches Problem…
****** Zum Prenzlauer Berg: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/lobo-kolumne-pseudoskepsis-zweifelt-an-allem-ausser-an-sich-selbst-a-1016636.html

******* Zitat zur Sintflut: aus „Unterwerfung“, von Michel Houllebecq



Fotos:

King Kong: Gesehen in Heidelberg, Antiquariat T. Hatry

Brutal …: Ein Buch von M&C Saatchi
https://www.amazon.de/Brutal-Simplicity-Thought-Changed-World/dp/0091957028
Dieses Buch hat eigentlich fast nichts mit JanaBlogs Gedankengängen zu tun, der Titel ist aber großartig! Müsste man auf Tassen, Seifen und T-Shirts drucken!




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