Dienstag, 10. Januar 2017

Eat Glitter







Hilft euch Aberglaube?

Nun sagt jetzt nicht, dass ihr nicht abergläubisch seid: 
Glücksbringer aller Art zu Prüfungen und Jauch-Millionärs-Sendungen mitnehmen,
Ballern zu Silvester,
Sachen nicht be-schreien wollen,
auf Holz klopfen,
seinen Geburtstag auf keinen Fall vorfeiern ….

Geburtstag nicht vorfeiern ist übrigens eine deutsche Spezialität, andere haben da nicht so abergläubische Probleme. Aber interessant: Zu Silvester 2016 ist selbst in Deutschland plötzlich ein Trend entstanden, der sich um Aberglauben nicht mehr scherte oder einen neuen kreierte: Statt direkt nach Mitternacht oder am 1. Januar zum neuen Jahr zu gratulieren, trudelten diesmal (nicht nur) bei JanaBlog die Glückwünsche zum neuen Jahr den ganzen Silvester-TAG über ein. Der Wunsch das Jahr endlich zu beenden war wohl so groß, dass wir es geradezu magisch dazu zwingen wollten, ganz schnell zu Ende zu gehen...

Wer nicht glaubt, dass selbst bei uns – und sei es als Ironie –
archaischer Aberglaube herumgeistert (noch heute glauben viel zu viele Menschen auf der Welt wie in Urzeiten, dass sie durch das Essen von bestimmten Tier-Teilen (Tiger-Knochen, Nashorn-Staub, Elfenbein …) die Kraft der verspeisten Tiere für sich gewinnen), muss sich nur
die folgende Schilder-Überschwemmung anschauen. Nach dem Motto: Mit Diamanten ist schon ganz schön, mit Glitzer geht‘s auch:



Ist allerdings ein Fortschritt im Vergleich zur Tötung seltener wilder Tiere. Dieser Trend ist übrigens weltweit, dieses Foto stammt aus Montreal:
  



Und in Berlin hat man dann natürlich gleich einen ironischen Kommentar parat:







Blogger als moderne „Dichter“ jedenfalls sind mit Aberglauben auf der sicheren Seite. Sie haben nämlich den Segen der höchsten deutschen Literatur-Instanz:

Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens;
deswegen schadet‘s dem Dichter nicht abergläubisch zu sein.

                                             (Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen)


In diesem Sinne: Toi toi toi, her mit dem Glitzer, weiter so – oder?! 






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Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wunderkerze?








Gesehen bei Kerzilein




Skeptisch dürfte die Menschheit all die Glücksbringer für das Jahr 2016 im Nachhinein betrachten, und eher behutsam in die Silvester-Feierlichkeiten gehen.

Aber JanaBlog sagt:

Schluss mit dem Gejammer über das Jahr 2016, jetzt sind Taten gefragt!

Hier der JanaBlog-Service, mit den besten Neujahrswünschen für euch:





Anleitung:

1. Diesen Blog Post ausdrucken.
2. Entlang der Perforierung das Jahr 2016 ausschneiden.
3. Zu Silvester um Mitternacht diesen 2016-Papier-Abschnitt feierlich verbrennen.
4. Den verbliebenen zuversichtlichen(!) Abschnitt für 2017 als Talisman gut aufbewahren.



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   2016




  

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Gesehen bei Present & Paper in Berlin




5. Oder man kann den 2017-Abschnitt einfach in die große Lostrommel des Lebens werfen, wie ein Lotterielos,

und voller (wenigstens minimalen) Grundvertrauens ins neue Jahr springen.

Was sonst?







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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Schutzengel







Eigentlich ist einem doch in diesem Jahr statt nach einem Weihnachtsmann/Christkind 
nach einem Krampus (heutzutage auch bekannt als Vorläufer des Teufels/Begleiter des Nikolaus http://janablog1.blogspot.de/2015/12/krampus.html):




Denn es fühlt sich ein wenig so an als ob der zarte Nikolaus-Gedanke gegen den Krampus-Gedanken etwa in diesem Größen-Verhältnis stünde:




Und eigentlich hätte man am liebsten so eine furchterregende Figur neben sich, die andere Angst einflößende Erscheinungen abschrecken kann.

Das Christentum hat das Erscheinungsbild unseres Beistands gegen die Dunkelheit in seiner Form etwas verändert und ihn Schutzengel genannt. Wie stark der in Wirklichkeit ist, ist ungewiss – hier lässt ein Künstler einen Engel sogar ganz eigenständig die Geschenke bringen (oben rechts*):




Wem das nicht stark genug ist, kann immer noch mit dem kräftigen Rot dieses Herren vorlieb nehmen (der hier auf der bezaubernden Weihnachtskarte** bemerkenswerterweise sogar das Christkind zur Bescherung mitbringt, Mitte links):




Egal ob mit unheimlichen Helfern, 
starken Schutzengeln oder 
einem väterlichen Weihnachtsmann,

JanaBlog wünscht euch allen ein


wunderbares Weihnachtsfest, das vor allem dafür steht,

dass wir Menschen füreinander da sind

und uns gegenseitig Wärme und (nicht nur weihnachtliche) Geborgenheit geben können.






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*Detail aus der Weihnachtskarte von Edition Tausendschön, Copyright Behr Design












**Detail aus der Weihnachtskarte von Edition Tausendschön, Copyright Behr Design














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Freitag, 16. Dezember 2016

Wir Helden







Star Wars und Weihnachten treffen sich 
sehr selten in dieser Form, aber
 durch das Timing der Weihnachtsfilme
gehören sie allmählich zusammen!
Cover des Buchs „Ich bin dein Vater“
 von riva
WIR sind in Wirklichkeit die Helden, 
obwohl wir (nicht nur zu Weihnachten) scheinbar 
auf Zuwendung von außen hoffen. Auf den Weihnachtsmann, das Christkind, die Eltern, den Staat – oder zumindest den heidnischen Weihnachtsbaum mit Geschenken und emotional-paradiesischer Geborgenheit.

Unser nunmehr traditioneller Kino-Mega-Weihnachtsfilm* trainiert uns für die weniger romantische Realität.

Und anscheinend ahnen wir bereits die Wahrheit, und holen uns alle Jahre wieder eifrig Bestärkung in den neuen Menschheits-Legenden.

Denn worum geht es in Star Wars, Harry Potter, Herr der Ringe seit Jahren?

Um Helden, in die wir uns hineinversetzen können,
die für das Gute nicht nur freundlich Geschenke verteilen 
sondern in Zeiten von Bedrohung und Krise 
ihren Geist konzentrieren, das Schwert/Zauberstab in die Hand nehmen und 
für das Gute kämpfen!

Design von
Ihr schaut diese Filme nicht? Ihr nehmt sie trotzdem unwillkürlich auf, sie liegen in der Luft:

Euer Kind will einen Star Wars-Adventskalender und ihr müsst ihm jeden Abend aus Star Wars-Büchern vorlesen. Ihr stolpert überall über Star Wars/Harry Potter/Herr der Ringe etc.-Symbole in Form von Figuren und Tassen, Wiederholungen im Fernsehen, Anspielungen in Werbungen, verzierte T-Shirts und Gespräche von Kollegen …

Und das ist gut so. Denn das zeigt, wir

scheinen zumindest regelmäßig mit Genuss innerlich zu üben und ganz allmählich zu verstehen, dass

nur wir selber unsere Welt immer wieder retten können, dass wir dafür vor allem

unseren Geist trainieren müssen (Hogwarts! Jedi-Ritter-mentales Training!) und


Gesehen bei H&M
im Dezember 2015

dass, wie im Herrn der Ringe,

„das Zeitalter der Menschen angebrochen ist“,

in dem wir alleine 
ganz ohne Gandalf/Dumbledore/Weihnachtsmann/Christkind 

für uns und die Welt zuständig sind.










*Also derjenige Mega-Streifen, der nun alljährlich Mitte Dezember herauskommt und die Kinos füllt wie kein anderer im Jahr. 

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Freitag, 2. Dezember 2016

Wer hier klaut …











… stirbt. Das hat sich nicht JanaBlog ausgedacht, sondern – wer?

Der Verkäufer von Holzspielzeug und friedlichen Weihnachtskrippen auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt*!




Nicht minder fürsorglich und elegant zeigte ein anderer Unternehmer seine Verzweiflung. Dies hing an der Stelle mit der schönsten Aussicht auf die Alster in Hamburg, an der Alsterperle**:




Dass mittlerweile auch coole Hipster angesichts der zunehmenden Klauerei die Fassung verlieren können, zeigt dieses Schild eines Anbieters frisch gezapften amerikanischen Biers vom Street Food Thursday in der Markthalle Neun in Berlin:







Trotz aller Schilder Kinders, wie auch der coole Bier-Typ sagt:

                                Schön selber aufpassen! Nicht zum Opfer werden!






*Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt Hamburg, (gesehen im Dezember 2015)
**Alsterperle Hamburg, http://www.alsterperle.com/(gesehen im September 2015)
***Markthalle Neun, https://markthalleneun.de/ Street Food Thursday, Berlin (gesehen im März 2016)


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Donnerstag, 24. November 2016

Kopf hoch





        „Fear is wisdom in face of danger…“
                             
                                          (Sherlock Holmes in "The Abominable Bride", BBC)




Der Spruch aus Game of thrones
(„Winter is coming“)
wird im Augenblick überall ziemlich
strapaziert, aber in der Serie haben 
wir jedenfalls schon mal
ein bisschen geübt. Und nach 
einer Weihnachtszeit, die bestimmt 
von einer Flucht ins Schöne und Warme
geprägt sein wird, wird der harte Winter 
tatsächlich kommen,
spätestens ab dem 20.1.2017.
Die Zukunft verdüstert sich, die Nachrichten machen keinen Spaß.

Wie soll man sich auf die neue Welt einstellen?

Etwa 25 Jahre lang sind wir zumindest im Westen, in Deutschland verwöhnt worden – wir dachten, die Welt wird endlich besser: eiserne Vorhänge können endgültig fallen (1989), atomare Bedrohung kann deutlich zurückgehen, Entwicklungsländer werden endlich wohlhabend, wir überstehen sogar terroristische Bedrohungen (trotz 9/11), und selbst fehlende Banken-Regulierung könne uns nichts anhaben (2008, und wir leben noch).

Und jetzt das: wir haben nur geträumt, und dabei Vieles übertrieben und vor allem: verschlafen!

Nun wird sich zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind – ob wir nur verwöhnte Wohlstands-West-Europäer/Amerikaner sind, oder mehr. Und das werden wir zeigen, ob wir wollen oder nicht.


Manche werden sich ins Privatleben zurückziehen, wie es beispielsweise in vielen Diktaturen geschehen ist. Manche suchen bereits verstärkt die Gesellschaft von Gleichgesinnten, andere stürzen sich in Aktivismus – wie beispielsweise eine Frau in den USA, Meena Harris, die einen – ja wirklich: „pantsuit drive“* beginnt bei dem Frauen ihre nur wenig benutzten Power-Business-Anzüge anderen Frauen spenden können. Oder man erforscht esoterische Wohlfühl-Angebote, stürzt sich in Sport oder in Strick-Wettbewerbe.

All das wird unsere Gesellschaft aber nicht weiterbringen.
Denn ausschließlich wegzuschauen, weiter Gefahren zu unterschätzen, nicht kritisch mit zu denken – das hatte schon vor knapp hundert Jahren desaströse Folgen!

Nicht jeder wird zum Helden werden müssen (http://janablog1.blogspot.de/2014/06/lehman-helden-werden.html)

aber
unsere Pflicht als Bürger ist es nun mal,
wachsam zu sein,
sich hinreichend zu informieren und
zu wählen.

Klar kann es deprimierend und anstrengend sein, und deshalb ist es

hilfreich nach dem Prinzip Standbein – Spielbein vorzugehen:

einerseits

- die Einnahme von schlechten Nachrichten gut dosieren, aber zu bewältigen (http://janablog1.blogspot.de/2016/03/geistiges-immunsystem.html) und dabei gegebenenfalls

- Techniken erlernen, um nicht innerlich abzustürzen, sondern immer 
im guten Zustand zu bleiben.

Parallel und abwechselnd

dafür sorgen, dass man seine Energie-Batterie gut auflädt.

Womit – das ist ja sehr individuell. Wenn Stricken hilft, ist es gut. Aber
eins hilft ja bekanntermaßen jedem:

Wie der Mentor im hervorragenden Roman „Anathem“ von Neal Stephenson
seinem Frodo-ähnlichem Schützling auf den Weg gibt, als der noch nicht einmal ahnt, welche Abenteuer auf ihn warten:
dass er sich an den kleinsten Dingen des Lebens freuen soll – völlig kitschig an einem schönen Sonnenaufgang, einem kleinen Blümchen –, weil er das auf seinem harrten Weg sehr gut gebrauchen kann.

Noch besser ist es, sich proaktiv innerlich geradezu zu rüsten.

Sich klar zu machen, was einem persönlich wichtig ist,
für welche Werte man bereit wäre, zu kämpfen, falls es nötig wird:

Meinungsfreiheit? Toleranz? Gleichberechtigung? Flüchtlingsfragen? Kulturförderung? Umweltschutz?

Sich nach und nach klarzumachen: Wo ist meine Grenze? Was geht gar nicht?


Anett Stuth „With kind regards“, 
ein besonders hellsichtiges Kunstwerk
das zwar von 2016 stammt,
aber bereits im Frühjahr fertig war.


Und gegen ein eventuelles Gefühl der Machtlosigkeit helfen bereits kleine Schritte:

Vereine und Stiftungen in den USA, die sich für die Einhaltung demokratischer Grundsätze und für Rechte von bestimmten Menschengruppen einsetzen freuen sich bestimmt auch über Spendengelder aus Europa!














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Freitag, 11. November 2016

In die Politik!







Sich über die Politiker beschweren, das können wir gut. Aber selber machen? Fehlanzeige!

Dabei ist JETZT der richtige Zeitpunkt.

Bisher gilt: All die klugen Diskussionen unserer sogenannten Bildungs-Elite bleiben privat. Der Beruf Politiker hat einen so schlechten Ruf, dass kaum jemand von ihnen im Traum daran denken würde, seine Management-Fertigkeiten, seine Fähigkeiten mit Komplexität umzugehen und seine Erfahrungen mit Netzwerken und 

diplomatischem Vorgehen innerhalb eines Unternehmens
der Gesellschaft DIREKT zur Verfügung zu stellen.

Und wir sind dabei einem gefährlichen Missverständnis aufzusitzen:
Wir denken, dass wenn wir ETWAS tun, wir etwas bewirken.

Nach der Wahl von Donald Trump gingen junge Menschen in 25 Städten empört demonstrierend auf die Straßen, genauso wie es englische junge Menschen weinend einen Tag nach dem Brexit und in Kolumbien einen Tag nach der Abstimmung gegen einen Friedensvertrag mit der FARC es getan haben (nachdem viele von ihnen nicht einmal gewählt hatten).
Twitter und Instagram liefen glühend heiß mit kreativen Kommentaren.

Das hilft aber nicht weiter.

Wirkliche Gestaltungs-Macht

liegt nicht im Internet, liegt nur zum Teil in wohltätigen Vereinen, liegt selten auf der Straße, sondern die befindet sich eben doch immer letztendlich

an der Wahlurne und in einem

politischen Amt.


Also?

1. Immer wählen gehen,

2. den Einfluss von politischen Ämtern nicht unterschätzen,

3. einen selbstverständlichen

Mechanismus zulassen, mit dem man als Quereinsteiger aus einem echten Beruf wenigstens für ein paar Jahre der Gesellschaft als Politiker dienen kann.


Denn nicht nur die Tatsache, dass
Beamte im Bundestag überproportional vertreten sind*, sondern auch der Weg des
lebenslangen Berufs-Politikers stattet die Volks-Vertreter nicht unbedingt gut aus, um „das Volk“ zu verstehen. Wer nie Angst haben muss um seinen Arbeitsplatz und um seine Absicherung, wer keine Erfahrung darin hat, wie es in einem Unternehmen zugeht,
kennt die Lebenswirklichkeit der meisten Wähler einfach nicht gut genug. Die Abgeordneten arbeiten bestimmt nach ihrem besten Wissen und Gewissen, aber müssten immer wieder gegen eine unbewusste Tendenz ankämpfen, manche Entscheidungen ein wenig entspannter, oder jedenfalls anders zu treffen als sie es vielleicht mit einem Lebenshintergrund der Mehrheit im Land täten.

Nicht nur Führungskräfte und Unternehmer also, sondern genauso Arbeitnehmer bringen insofern mehr an Perspektive eines Normal-Bürgers mit als so mancher Beamter oder Lebenslang-Politiker.

Deshalb: nur Mut!

Denn den besten Spruch dazu hat immerhin ein Politiker** gemacht, 
der allerdings einen anderen Politiker zitierte 
der wiederum einen politisch engagierten Hundertjährigen zitierte:


„Man muss das Leben nehmen wie es ist
aber man darf es nicht so lassen."









Der Anteil der Unternehmer an den Parlamentariern mit 7,5 Prozent liegt deutlich niedriger als ihr Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt. Dieser liegt bei 10,6 Prozent

**Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments in einem TV-Interview zitierte ausdrücklich einen 100-jährigen, den anscheinend auch Franz Müntefering bereits 2008  zitiert hatte. https://www.spd-rn.de/index.php?nr=16026&menu=1

  
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Mittwoch, 2. November 2016

Lachen, unverschleiert.








Dieser Post macht richtig gute Laune!
Und:
Es geht hier NICHT um die Flüchtlingsfrage!

Jetzt: Stellt euch einfach vor, diese zwei Videos werden viral*.

Es sind quasi Videos aus JanaBlogs Kopf, sie hat sie ganz echt und analog ERLEBT, GEFÜHLT, ohne die Situation durchs Aufnehmen zu stören.

Und es gibt keinen Grund, warum ihr diese „virtuellen Videos“ nicht auch genießen könnt:

In London, September 2016:

Piccadilly Circus, circa 23:00 Uhr an einem Samstagabend,

es ist fröhlich voll, die Touristen aus aller Welt stehen herum und sitzen auf den Stufen, und schauen um sich, die Werbe-Screens im Hintergrund hüpfen dazu leuchtend auf und ab.

Drei pfiffige Jungs haben sich eine Attraktion ausgedacht: es gibt 50 £ zu gewinnen für denjenigen der es schafft, 2 Minuten lang herunterhängend von einer Eisenstange auszuharren und sich dabei nur mit den Händen festzuhalten. Ein Bewerber nach dem anderen versucht sein Glück, bislang vergeblich …

 … und eine verschleierte arabische Frau (das Gesicht allerdings unverschleiert) lacht, und lacht und lacht. Und sie bekommt einen regelrechten Lachkrampf, der so fröhlich und ansteckend ist, dass er sich wie eine Welle über den Platz verbreitet und nicht enden will, all die Nationalitäten, all die Menschen zusammen, lachend.


Stephan Balkenhol, „Frau im Blau“, 2007
(bei aller JanaBlog-Kritik an Stephan Balkenhol 
muss man sagen, dass dieses Kunstwerk nicht nur
 gelungen ist, sondern auch hochaktuell ist,
 obwohl es schon neun Jahre alt ist)
Warum? Die Frau ist mit mehreren weiblichen verschleierten Freundinnen/ Verwandten unterwegs und hat als Aufpasser einen Neffen/Cousin/sonstigen Verwandten dabei. Der sieht allerdings nicht sehr fit aus. Soweit es für JanaBlog zu verstehen ist, lacht sie sich schlapp bei der Vorstellung, dass er diesen Wettbewerb gewinnen könnte (der Arme probiert es dann auch noch nicht einmal).


Im Ruhrgebiet, Oktober 2016:

In einer Regionalbahn irgendwo zwischen Essen und Dortmund,

es ist voll und stickig obwohl es Sonntagnachmittag ist, alle inklusive JanaBlog sind genervt bis latent aggressiv.

JanaBlog gegenüber sitzt eine spektakulär anmutige schwarzafrikanische Großmutter in einem strahlend gelben Kleid mit weißer Spitze und einem gelben Turban die so langgliedrig ist, dass JanaBlog sehr unbequem seitwärts verdreht sitzen muss. Sie hat einen etwa achtjährigen aufgeweckten Enkel dabei und zu ihren Füßen liegt eine kleine rote täuschend echt aussehende Kinder-Gitarre, so eine mit Knöpfen darauf die alle möglichen Sounds erzeugen können.

Links von JanaBlog sitzen vier aufeinander konzentrierte deutsche Studenten, in den nächsten Sitzgelegenheiten hinter der Großmutter präsentieren sich lässig sechs (Möchtegern?-) schwere Jungs aus ursprünglich der Türkei?/Syrien?/Irgendwie-so. Einer der „schweren“ Jungs wirft JanaBlog, die direkt in seinem Blickfeld sitzt, ab und zu einen finster abschätzenden Blick zu.

Plötzlich tappst ein kleines Mädchen – erst seit Kurzem lauffähig – durch den Gang und bleibt vor der Großmutter stehen. Es wird bald von ihrem syrischen/türkischen/ Etc.-Vater eingeholt und in der anfahrenden Bahn auf den Füßen stabilisiert. Die afrikanische Großmutter greift mit der Anmut einer Fee nach der roten Klein-Gitarre und bietet sie dem Mädchen zum Ausprobieren an. Die Kleine ist schüchtern, aber irgendwann lässt sie sich überreden die Gitarre in die Hände zu nehmen, und einen der Knöpfe auszuprobieren.

Das ruft den Enkel auf den Plan. Er protestiert heftig dagegen, dass seine Großmutter SEINE Gitarre einfach so verleiht und fängt an zu toben. Sanft aber bestimmt versucht die Großmutter ihn zu beruhigen, aber er flüchtet und versteckt sich. Nicht weit, er setzt sich – vermutlich von seiner Wut zum Mut beflügelt – einfach zu den „schweren“ Jungs, um zu schmollen.

Stille. Verlegenheit.

Und dann kommt das erste Lächeln von den schweren Jungs in Richtung JanaBlog. Die Atmosphäre verändert sich. Es ist als ob all die zufällig anwesenden (ursprünglich) internationalen Menschen in der stickigen schwerfälligen Regionalbahn wohlwollend über einen gemeinsamen kleinen Bruder/Cousin/Neffen schmunzeln würden, wie bei einer Familienfeier.


Nach einiger Zeit bekommt die Großmutter die Gitarre von der winzigen Enkel-Konkurrentin zurück und reicht sie dem rechtmäßigen Besitzer.
Der kann natürlich nicht widerstehen und beginnt sofort anzugeben vor den „schweren“ Jungs, die verschiedenen Knöpfe auszuprobieren, um mit ihnen Heavy Metal-Krach zu erzeugen. Da wird aus der Verlegenheit ein Grinsen und gelegentlich sogar ein Lachen, als sich der kleine schwarze Mann schließlich sogar durch den Gang schlängelt, um auch anderen Fahrgästen seine Rocker-Posen vorzuführen.

Und plötzlich Lächeln sich all die verschiedenen Ursprungs-Nationalitäten scheu aber gelöst an. Denn das Drama des kleinen Jungen ist etwas, was einfach jeder kennt. Ein kleiner, immerhin vielleicht 10 Minuten währender, geradezu

feierlicher Moment der Verbundenheit. So als ob ganz kurz die Wirklichkeit hinter der alltäglichen Realität aufleuchten würde: nämlich dass Menschen eigentlich weniger trennt als sie verbindet.





*Ich weiß, das klingt immer noch furchtbar in manchen deutschen Ohren, aber es gibt keinen anderen technisch korrekten Begriff dafür (im Englischen: going viral)

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