Mittwoch, 27. Juli 2016

Kunde kein König







Wie schützt IHR euch vor Alltags-Ausbeutung und der schlechten Laune danach?

Als Kunden werden wir im Alltag von neuen Monopolen mehr ignoriert denn je und

viele Produkte werden durch Updates nicht besser, sondern schlechter.

Was tun wir eigentlich dagegen?
Wir sind doch sonst angeblich so Ego-stark, oder?
Schließlich leiden wir dadurch unter echtem Gesundheits-destruktiven Stress.
  
Beispiele:

•          Onlinediensten (und Co., – wie Streaming-Diensten, TV, To-do-Programmen, Phone-Herstellern) sind wir Kunden so egal, dass sie in Updates sogar zentrale Funktionen der Anwendung/Dienstleistung weglassen oder das Produkt verschlechtern.
Denn sie wissen: Sobald sie uns und unsere Daten so fest an sich gebunden haben, dass es für uns wegen des schier unmöglichen Daten-Transfers zu unbequem wird noch mal zur Konkurrenz zu wechseln, „haben“ sie uns.

•          Paket-Zulieferer schubsen uns unbekümmert herum.
Wieso? Obwohl wir Empfänger von Waren und Dienstleistungen sind, sind wir nicht die (den Beförderer be-)zahlenden Kunden (sondern der Versender sucht dem Pakets-Lieferanten aus).
Aber ganz ehrlich, von anderen zentralen Dienstleistern lassen wir uns trotz Bezahlung Unzumutbares gefallen, Stichwort Deutsche Bahn.

•          Die psychische Tortur des Online-Supports/Callcenter lassen wir einfach Teil unseres Alltags sein. Die Anbieter quälen uns ganz absichtlich weil es sich rechnet und wir haben sogar schon einen psychologischen Fachbegriff dafür (call support rage)*,


gesehen in Berlin
 (nicht das Schild von JanaBlog!)
Die Beispiele kennen wir alle, deshalb führt JanaBlog ein paar weiter unten auf, damit ihr euch hier erst mal nicht zu sehr aufregen müsst, andererseits aber sehen könnt, dass ihr nicht alleine seid. Jedenfalls:

Die Hilflosigkeit angesichts sich verschlechternder Dienstleistungen online, überflüssiger Warte-/Urlaubs-Vormittage und Anrufe bei Callcentern aller Art empfindet unser Körper laut Psychologen als ganz normale physische Bedrohung. Unsere gesunde Reaktion, nämlich Angriff oder Flucht ist dann nicht möglich, so dass der Körper im sozusagen verdeckten Stress/Zorn vor sich hin raucht.**(Das gute alte Einschlagen auf Geräte ist ja passé, dafür brauchen wir sie zu sehr!)

Es kann ja bis hin zum echten emotionalen Schmerz gehen: Es tut euch im Herzen weh, wenn die gesamte Musik eures Lieblings-Interpreten von eurem Streaming-Dienst heruntergenommen wird, oder wenn ihr einen neuen TV-Receiver installiert und all eure aufgezeichneten Sendungen mit einem Streich verloren sind (nicht aber die dank eines Produkt-Fehlers unwiderrufliche Programmierung für die Aufnahme von völlig überflüssigen, bereits bereuten Serien!). Und ihr (und eure ganze Familie!) seid montags schlecht gelaunt, weil ihr das Wochenende mit der mittlerweile kaum zumutbaren Apple-Installation eines neuen iPhones verbracht habt.

All das belastet uns mehr, als wir uns eingestehen. Schließlich sind viele von uns bereits von der Sofortness-Symptomatik befallen, (http://janablog1.blogspot.de/2015/02/sofortness.html), wir erwarten also ganz im Gegenteil zu unseren Update-Callcenter-Erfahrungen, dass Dinge so schnell wie im Computer auf Knopfdruck passieren und bekommen schon ernsthafte psychische Schwierigkeiten wenn wir kurz in der Postfiliale in der Schlange stehen müssen oder wenn in der Boutique der nächste Spiegel nicht einen, sondern sechs Schritte entfernt ist.

Warum wehren wir uns nicht?

...
JanaBlog hat mal bei Hermes (Paket-Lieferant) eine Entschädigung erkämpft, und erhielt als Schadensersatz Telefon-Karten. Daran, dass wir alle überhaupt nicht mehr wissen was Telefonkarten waren sieht man, wie lange das her ist.


Ist das also die Zukunft?
Trotz/wegen technischen Fortschritts (den JanaBlog an sich liebt)

ein chronisches Opfer sein?

Dabei – wie war das noch, der alte Spruch? „Der Kunde ist König“?

Da macht es doch hier unser Gastwirt Franz in seinem Gartenlokal ganz vorbildlich:











(Wer sich das Ausmaß der von uns hingenommenen Zumutungen klar machen will,
wer sich ordentlich mit-aufregen will,
wer hier neu ist,
oder wer Dinge verkauft/Callcenter einrichtet/Updates entwickelt, kann gerne hier weiterlesen. 
Ganz unten gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer!

Hier also JanaBlog-Beispiele:

Callcenter:
-JanaBlog hat letzthin 24 Minuten in der Schleife eines Zeitung-Abo-Callcenters gehangen, um mit jemandem zu sprechen der eine kurze Liefer-Unterbrechung für ihre (ja! Papier-) Zeitungen einträgt. Das ist von der Zeitung natürlich Absicht, sie will JanaBlog abschrecken damit sie alles nur noch online macht, dagegen spricht aber für den Verbraucher zweierlei: er kann sich nicht mit seiner Kundennummer anmelden, sondern braucht wieder neue zusätzliche Passwörter und Zugangsdaten, außerdem hat der Kunde interessanterweise bei einer Lieferunterbrechung online weniger Optionen als per Telefon, was er mit der Zeitung in der Zwischenzeit machen will: eine Gutschrift ist nur per Telefon möglich.

-Die meisten Anbieter haben ja ohnehin überhaupt keine Telefonnummer mehr, sondern nehmen ausschließlich eine Beschwerde-Mail/Kontaktformular/Ticket entgegen, die sie dann gut und gerne eine Woche selbst bei einem dringlichen Technik-Problem nicht beantworten (müssen).
  

Pakete:
-Der Kunde hat keine Wahlmöglichkeit welchen Zulieferer er bevorzugt (wie am Anfang der Amazon-Zeiten übrigens!). Das lässt den Verkäufern die maximale Freiheit, ihre verhandelten Kontingente je nach Bedarf auszuschöpfen, lassen aber den Kunden im Regen stehen.
-Briefmarkenautomaten und Postfilialen werden abgeschafft, so das nicht wenige Menschen ewig mit dem Bus reisen müssen, um ihr Paket abzugeben oder abzuholen.
-Private Paket-Beförderer sind nicht viel besser. Gerne hinterlegen sie das Paket in der Walachei irgendwo in einem früh schließenden Zeitungs-Kiosk, sehr gerne ohne einen zweiten Zustellversuch.
Oder die Pakete werden einfach vor der Wohnungstür liegen gelassen. Und/oder die Empfangs-Unterschrift des Kunden gefälscht.
Oder der Paketbote klingelt erst gar nicht.


Wird schlechter:
-Früher war die Online-Geschenk-Verpackung eine großartige Sache, zum Beispiel bei Amazon. Dann begannen die Geschenkverpackungen halb angerissen einzugehen, so dass man auf Bücher.de umschwenkte, wo man sich sogar eine Karte und Geschenkpapier (seit vielen Jahren allerdings das gleiche!) aussuchen konnte und es billiger war. Und was passiert jetzt? Zunehmend wird ganz erratisch irgendein (völlig unpassendes, zum Beispiel Kinder-Geschenkpapier) entgegen den Wünschen verwendet in der Hoffnung, dass der zahlende Kunde es gar nicht merkt (denn er schickt es ja in der Regel direkt zum Beschenkten).

-Die Autokorrektur von Diktat-Software kann nach vielen Jahren plötzlich nicht mehr ein „Wort groß schreiben“.

-Die Hamburger U-Bahn: Stolz wird die neue U-Bahn eingeführt, allein:
Warum sind die Fenster aus schwarzem Glas?
Die überflüssige Dunkelheit verhindert nicht nur eine schöne Aussicht auf den Hafen wenn die U-Bahn spektakulär oberirdisch fährt, sondern man kann von außen nicht sehen, welche Wagen leer sind und wo es sich lohnt einzusteigen, und das Beste: von innen heraus sieht man nicht mehr, an welcher Haltestelle man ist (und die schönen Monitore und Ansagen drin irren sich gelegentlich!). Als ob ein Schutz vor zu viel Sonne das Hauptproblem bei einer U-(Untergrund!)Bahn wäre!

 -Ein Todo-Programm ist nach seinem letzten Update plötzlich ohne Kalender-Funktion eingerichtet und so schlecht handhabbar, dass die Kunden beim automatischen Update tatsächlich erst einmal dachten, ihr Programm wäre abgestürzt. Das ist übrigens noch das einzige JanaBlog bekannte Projekt, wo es die Entwickler möglicherweise zu weit getrieben haben – ein Aufruhr unter den Kunden (ein echter Shitstorm wäre wahrscheinlich nützlicher) ist im Gange, vielleicht verändert sich doch noch was?
  

Na, klingt etwas davon bekannt?) 

  


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Freitag, 1. Juli 2016

Kunst bringt Technik.







Art Basel-JanaBlog-Entdeckung zur abstrakten Malerei
und damit Ausnahme von der 
Regel dass nur Bekanntes an den Wänden hing:
Lesley Vance, Untitled, 2016
Galery Xavier Hufkens
… und andere JanaBlog-Trends von der Art Basel 2016.


- Wir brauchen Hilfe von der Kunst, um den technischen Fortschritt zu FÜHLEN.

Denn wir wähnen unseren Arbeitsplatz immer noch sicher: „Friseure wird es immer als Menschen-Job geben“, beruhigen wir uns. Dabei waschen und schneiden schon heute Roboter unsere Haare* und werden langfristig selbst Köche und Musiker ersetzen.**

Zum Eingewöhnen versuchen uns nun die Künstler auf der Art Basel 2016 spürbar beizubringen, wie die Lage wirklich ist: So zeigen sie uns 

wie präzise wir überwacht werden können und wie sich das anfühlt:





Rafael Lozano-Hemmer und Krzystof Wodiczko, 
Zoom Pavillion, 2015
Galerie Carroll/Fletcher

In diesem Raum werden nicht nur alle Gesichter aus allen Perspektiven erfasst, sondern laufend auch die Nähe und Stellung der Menschen zueinander im Raum analysiert. Auf der Rückwand sieht man auf einer Wand die Porträts von all denjenigen, die in den vorangegangenen Tagen in diesem Raum gewesen sind. Galeristen berichten, sie hätten das Bedürfnis den Bauch einzuziehen und möglichst toll auszusehen – aber das ist noch die geringste ihrer Sorgen. Man wird sich bewusst, dass man mittlerweile auf einer ständigen Lebens-Bühne steht und dass man nicht nur gesehen, sondern AUFGEZEICHNET wird.
  
Wie man Ton und Geräusche mit einer
Schallkanone als Waffe einsetzen kann, ist wohl den wenigsten klar. Auch gut gegen Demonstranten einsetzbar. Der Künstler hat hier nicht zufällig einen chinesischen (Schauspieler als)“ Soldaten“ neben die Kanone gestellt.


Teil der Installation. Hoch über der Halle Art Unlimited links ist die Kanone zu sehen.
An der Hallen-Wand gegenüber konnte man eine Art Terrasse betreten, in der Höhe der Kanone,
direkt in ihrem Schaltrichter, und hören, wie intensiv und passgenau der Schall versendet werden kann.
Zum Glück verwendete der Künstler hier als Probelauf nur bezaubernde Vogelstimmen.
Samson Young, Canon, 2015
Galerie Gisela Capitain und team gallery 

Und wie natürlich sich auch Roboter bereits bewegen können, ahnen wir normalerweise auch nicht. Hier ein Roboter der endlos(!)
einen Bleistift auf seiner Spitze balancieren kann:
  

Steven Pippin, Omega=1, 2003-2013
Galerie Gawjn Brown's enterprise 

Dem technischen Fortschritt an sich, ganz ohne Roboter, hat die Künstlerin Rachel Whiteread ein besonders liebevolles Denkmal gesetzt, indem sie eine der ältesten technischen Erfindungen der Menschheit zum kostbaren Kunstwerk gemacht hat:
das Fischernetz.


Rachel Whiteread, Untitled (Nets) 2002
 ( Suite of five etched German silver (copper/nickel/zinc)
sheet metal gratings mounted to white Museum Board mats)



Detail aus
Rachel Whiteread, Untitled (Nets) 2002
 ( Suite of five etched German silver (copper/nickel/zinc)
sheet metal gratings mounted to white Museum Board mats)

Wer macht sich sonst schon die Mühe, die Schönheit im Allerkleinsten zu sehen?



- Was sonst noch interessant war?

Wenig neue Künstler, teilweise wurden auf exakt den selben Stellflächen wie im Vorjahr exakt dieselben Künstler ausgestellt.

Dafür Großes von Großen:

Zwei große beeindruckende zeitgemäße Kunstwerke von Iannis Kounnelis (wer Mona Hatoum zu schätzen weiß, hätte sich über all die scharfen Messer gefreut).
Ein beeindruckender Raum von Julian Schnabel, weiter großartige iPad-Stücke von David Hockney (die ihren Wert zum Vorjahr um fast 50 % steigern konnten) und auffällig vieles Hochkarätige von Jean-Michel Basquiat. Und immer wieder stark – sorry Guys – Takahashi Murakami,

Die Verbindung der dreidimensionalen Realität mit unserer Online-Bilderwelt schaffte allerdings am besten dieser Künstler:
  

Daniel Silver,
"Alison Fitzpatrick, Moshe, Nina Omotoso,
Tomak" , 2016
Frith Street Gallery

So vorbildlich Fashion-schlank und schön und lässig diese Party-Clique auch herumsteht, ihre Gesichter sind Instagram-genormt, austauschbar und so wenig individuell, dass es sich anscheinend gar nicht lohnte sie voll auszugestalten:



Daniel Silver,
"Alison Fitzpatrick, Moshe, Nina Omotoso,
Tomak" , 2016
Frith Street Gallery


Hoffen wir, dass das neue Kunst-Jahr bis zur Art Basel 2017 kraftvoller wird als diese Gestalten – 
so kraftvoll wie das


- JanaBlog-Lieblingsstück der Art Basel 2016!:



"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami


Damit ihr seht, wie es hängt und mit Besuchern aussieht:


"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami

Und ja, kraftvolle Drachen aber auch: überall kleine Memento mori!

Detail aus
"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami




So viel also zu Kunst an sich. Wer sich eher für die spektakulären Zahlen der Art Basel 2016 interessiert wird hier fündig:




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Hängt und hängt und

Montag, 27. Juni 2016

Rücktritte, einfach so.

(Aus der Reihe: Ist das Trend?)







Aus einer öffentlichen Ehren-Rolle zurücktreten,

-sobald sie einem persönlich das gebracht hat was man haben wollte? (Philipp Lahm nach der Weltmeisterschaft 2014)
-sobald man sich ein bisschen müde fühlt (Ole von Beust, der frühere Bürgermeister von Hamburg)
-oder es mal nicht so läuft? (Lionel Messi nach einem verlorenen Finale*)

Ist die 

Mitgliedschaft in der Nationalmannschaft oder ein öffentliches Amt nicht eine Ehre, statt ein lästiger Nebenjob? 

Sollen wir unseren Kindern beibringen, dass ein öffentliches Amt, 
eine öffentliche Rolle nur eine Art Selbstbedienungsladen für den Selbstwert ist?


Beispiele:

Philipp Lahm, der ehemalige Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft (mit der er 2014 Weltmeister geworden ist), ist mit 30 Jahren direkt nach der Weltmeisterschaft zurückgetreten. Aber Achtung:genauso wie jetzt Lionel Messi 
nur aus der Nationalmannschaft!!! 
Kurz vor der Mitteilung schloss Lahm einen lukrativen Verlängerungs-Vertrag mit FC Bayern München ab, für vier Jahre (bis 2018, dem Zeitpunkt der nächsten WM).

Das heißt: Er war topfit, konnte immerhin in einem der allerbesten Vereine der Welt** (und ja, auch JanaBlog muss es erwähnen: für sehr viel Geld) spielen. Und die Arbeit in der Nationalmannschaft hatte ja das Gewünschte für ihn gebracht: er trat als Weltmeister ab.

Ole von Beust, der frühere Bürgermeister von Hamburg, wurde 2008 von den Bürgern Hamburgs tatsächlich sehr persönlich in das Amt gewählt. Sprich: Wäre er nicht persönlich als Kandidat angetreten, hätte seine Partei vermutlich nicht gewonnen. Er trat bereits nach zwei Jahren Amtszeit ab***– nicht aus gesundheitlichen Gründen oder ähnlichem, sondern – wieder einmal – einfach so („ ein vernünftiger Zeitpunkt“). Dabei könnte man doch die (immerhin nur!) Vierjahres-Amtsperiode als eine Art Vierjahres-Vertrauens-Vertrag mit den Hamburger Bürgern betrachten, oder nicht?

Jürgen Klinsmann, der umjubelte Nationaltrainer, trat direkt nach der WM 2006 zurück. Er hatte mit dem Sommermärchen etwas großartiges angestoßen, die ganze Nation dachte, jetzt geht es los, wir beginnen einen Anlauf auf den Weltmeister-Pokal, und er drehte sich um und ging weg. Ungeachtet dessen, welches Symbol er für das Land geworden war verlängerte er seinen Vertrag mit dem DFB nicht. (Allerdings, er gab an „ausgebrannt“ zu sein (auch wenn er bereits einige Wochen nach der WM Gespräche über einen neuen Job (in den USA) führte und man denken könnte: Einen ordentlich verlängerten Urlaub hätte er doch bestimmt auch bekommen, oder?))****.


JanaBlog-Ausblick:

Die Nationalmannschafts-Spieler waren 2014 in ihren Kondolenz-Bekundungen so verständnisvoll *****, eigentlich hätte doch die ganze Nationalmannschaft damals geschlossen zurücktreten müssen, oder?
Denn sie alle liefen Gefahr, nie mehr Weltmeister zu werden und damit ihren Zenith bereits überschritten zu haben!! Musste da mancher gar denken: Hält mich Philipp Lahm oder gar andere für dumm, wenn ich nicht auf Nummer sicher gehe und jetzt als strahlender Star abtrete? ((Jetzt Beruhigung von JanaBlog für die Spieler:
Weltmeister und somit Held bleibt man für die Fans sein ganzes Leben lang! Egal was danach kommt!!))

Zum Glück sahen es noch genügend Nationalspieler anders und wollen lieber ein anderes Spiel spielen – eins auf angenehmes Risiko – – nämlich versuchen, Europameister 2016 zu werden oder gar – – noch einmal Weltmeister!


Eine solche Vorbildfunktion würde JanaBlog insgesamt gefallen:

dass schon alleine der Kampf um den Erfolg für das öffentliche Team

den Spielern, Amtsinhabern und der Öffentlichkeit etwas wert ist…!








**JanaBlog hat nichts gegen Bayern München übrigens, ganz im Gegenteil! Vermutlich als einzige nördlich des Mains!
***Das fanden damals aber nicht alle gut, auch wenn nur die SPD damals JanaBlogs Gedanken fast wörtlich ausdrückte: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburger-buergermeister-ole-von-beust-gibt-ruecktritt-bekannt-a-707147.html
**** Damals trauten sich wenige ein kritisches Wort zu äußern, am besten zu sehen die vielfältigen Stimmen unter dem zweiten Link, Pressestimmen: http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Klinsmann#Nach_der_Fu.C3.9Fball-Weltmeisterschaft.C2.A02006
http://www.rp-online.de/sport/fussball/nationalelf/pressestimmen-zu-klinsmanns-dfb-ruecktritt-bid-1.1454014
*****Gabor Steingart in Handelsblatt Newsletter vom 21.7. 2014:
"Viele loben den Kapitän der Nationalmannschaft Philipp Lahm für seinen Rücktritt - auch unser heutiger Leitartikler. Dabei muss man nichts mehr fürchten als einen Nachahmungseffekt. Wenn es klug wäre, auf dem Höhepunkt der Karriere zu gehen, müssten die Chefs von VW, Daimler, BMW und SAP sowie Angela Merkel noch heute Vormittag ihre  Büros räumen. Das Ergebnis: Wir hätten mehr Helden und weniger Wohlstand".


Dies ist die leicht überarbeitete Fassung des bereits am 22.7.2014 erschienenen Posts von JanaBlog


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Donnerstag, 16. Juni 2016

Super indeklinabel











Dies ist ja schon super, aber jenes ist noch superer... Das hat uns gerade noch gefehlt.

Oder:

Wieso sagen wir das nicht schon längst?


Schon seit Ende 2013(!) saß JanaBlog auf diesem Gerti-Foto und wollte für diese SUPERERE Sprach-Entwicklung keine Werbung machen. Aber jetzt (Mai 2016)

hörte sie diesen Super-Ausdruck einen Radio-Moderator auf Jam FM sagen,

jetzt scheint es also los zu gehen.


Oder hat ein Boykott eine Chance? 

Vielleicht, aber wenn, dann nicht aus rationalen Gründen, sondern nur weil wir dauernd inkonsequent sind. Denn: 


SUPERER klingt furchtbar,

aber es gibt kein anderes Argument dagegen!

Super ist schließlich nur ein stinknormales Adjektiv.

Wir können auch nicht argumentieren, dass andere Regeln gelten, weil „super“ ursprünglich aus anderen Sprachen (Latein, Englisch) zu uns gekommen ist, denn „cool“ steigern wir ununterbrochen (cooler, am coolsten).

Aber gut, manchmal versuchen wir die Sprache schön zu halten.
Wir regen uns beispielsweise köstlich über „optimalste“ Lösungen auf. 
Weil wir sagen, optimaler als optimal geht ja nicht.

Gleichzeitig aber erlauben wir, korrekt und richtig zu steigern!

Also korrekt, korrekter, am korrektesten,
http://www.duden.de/rechtschreibung/korrekt

und gruseliger Weise richtig, richtiger, am richtigsten
https://de.m.wiktionary.org/wiki/richtig

Obwohl das doch nicht geht! Etwas ist entweder richtig oder falsch. Damit ist die Sache abgeschlossen. https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch/artikel/nicht-steigerbare-adjektive
Und wir sagen es/schreiben es ins Internet – trotzdem. (Nur nebenbei: da sind die Regel-wütigen Deutschen inkonsequenter als ihre Nachbarn. Im Englischen oder Französischen geht sowas nicht.)

Inkonsequent:
Auf der dunklen Seite des Falsch-Seins übrigens sind wir dann plötzlich ganz streng:

„Falsch“ ist nicht steigerbar/man hört es auch nicht im Sprachgebrauch:
Aber... falsch?
Gilt dies nur, solange man nicht versucht, Englisch-Deutsch zu lernen?
Denn im Deutsch-Englisch-Lexikon geht es nämlich plötzlich:
http://www.dict.cc/deutsch/falscheste.html

Der Superer-Boykott hat also Chancen, wir sprechen sowieso dauernd wie es uns insgesamt gefühlsmäßig so passt.


Jetzt JanaBlog-Knaller:

In Wirklichkeit werden wir das Wort „superer“ der englischsprachigen Welt zu verdanken haben. Denn als JanaBlog das erste Mal „superer“ googelte, fand sie einen einzigen Treffer – in einem englischsprachigen Wiktionary:

Hat das Wort“superer“ also gar eine Verschwörung der Englischsprachigen eingeführt??
Oder plappern wir demnächst ein zufälliges Missverständnis eines Deutsch-Lernenden nach?

(Zur Ehrenrettung von Silicon Valley: Siri kennt hier beim Diktieren keine einzige der Steigerungen („am korrektesten“ schreibt sie: „angeregt ersten“, „am coolsten“: „am Kusten“).


So oder so ergibt sich zwangsläufig die

JanaBlog-Frage:

Darf ich jetzt auch schreiben

"am supersten"?


Oder am superersten?? ((DAS hat Siri übrigens sofort anstandslos richtig geschrieben. Doch eine englischsprachige Verschwörung aus Silicon Valley?))




*Liebes Jam FM-Team, JanaBlog ist Fan und fragt: Warum gibt es euch eigentlich nur in Berlin?
Denjenigen, die nicht in Berlin leben, bleibt nur die Jam FM App.
  
Ähnliches von JanaBlog:

  

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 ich

Freitag, 10. Juni 2016

Ja: Nein heißt Nein.







JanaBlog hat NICHT das Gina-Lisa-Lohfink-Video gesehen, sie kann also auch nichts Qualifiziertes zum Ausgang des
Gerichtsverfahrens bezüglich der vermeintlichen Vergewaltigung sagen wie es zum Beispiel dieser Artikel auf Spiegel Online/Bento tut:



JanaBlog wird auch ihren Blogposts keine Triggerwarnungen (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Triggerwarnung) voranstellen.

Aber JanaBlog liefen in den letzten Monaten ein paar Print-Gegenstände über den Weg.

Und sie fand diesen Aufkleber gut gemacht :
  




Und dieses Poster:





Und vielleicht ist ja der folgende Verkaufsartikel auf den zweiten Blick doch nicht so lustig, und man sollte ihn etwas lockerer herstellen,
damit da ein Pfefferspray reinpasst:
  

(Gesehen bei Pro Idee)





  

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Freitag, 27. Mai 2016

Nicht vergessen






Das Wort „Todesstern“ geht uns locker über die Lippen, aber sonst?

Nur weil wir

dem Todes-Thema ausweichen,

verletzen wir Menschen,
machen es uns schwer
und
verpassen die große Gelegenheit, unsere Kinder zu stärken.

Dass wir für dieses Thema 
unerfahren und unvorbereitet sind, liegt
nicht nur am 
Jugend-/Machbarkeits-Wahn, sondern auch daran,dass wir viel 
seltener sterben
Vor 100 Jahren hatte es ein Mensch statistisch betrachtet alle 3 Jahre mit einem Todesfall im engsten Familienkreis zu tun, heute beträgt die Zeitspanne 17 Jahre.* 

Dabei reicht schon ein einziges Mal, um Mist zu bauen. Denn:

1) Wir verletzen Menschen. ...

… wenn wir keine Worte finden für unser Beileid und uns vor Verlegenheit vielleicht gar nicht melden.

Dabei gibt es heute wirklich keine Ausrede mehr, ein menschliches Verhalten im Trauerfall könne man nicht so einfach lernen (wenn man es nicht zu Hause beigebracht bekommen hat), denn auch hierfür

gibt es eine App! (Beileids-App: http://app.bovensmann.com/#index)


2) Wir machen es uns schwer, wenn jemand stirbt,
noch schwerer als es ohnehin ist.

Wie man einen Verlust verarbeitet
sehen wir zwar eigentlich andauernd – die Tatort-Quoten beweisen es.

Und es gibt eine neue kleine YouTube-Welle, auf der sich Prominente trauernd zeigen und damit nicht nur PR-Erfolge landen, sondern ein bisschen auf das Thema aufmerksam machen.**

Trotzdem ist es ein großer Unterschied, ob es um einen Star geht, den wir online mit unserer Community betrauern können, oder ob es uns persönlich betrifft.

In der nicht-virtuellen Wirklichkeit ist für die allermeisten die erste Übung eine Oma, aber lasst euch gesagt sein, für die meisten kommt es irgendwann noch schlimmer. Und

wir haben durchaus die Wahl:

Wir können Jahre später mit einem Therapeuten Abschiedsrituale nachholen, im Geiste Abschiedsgeschenke mit dem Verstorbenen austauschen und Ähnliches,
oder wir können es sofort tun – zur Not

mithilfe von behutsamen professionellen Helfern:










3) Wir verpassen die eine Gelegenheit
ein positives Vermächtnis oder wenigstens die wichtigsten Informationen zu hinterlassen.


-Für unseren eigenen Ruf:

Wir sagen zwar, wir behalten den Verstorbenen so in Erinnerung, wie er im Leben war, aber wir sollten uns nicht täuschen:

(Auch) der allerletzte Eindruck zählt und bleibt.***

Wird es uns im allerletzten Augenblick tatsächlich so egal sein, wie sich die Welt an uns erinnert?

Peinliche Fotos oder unfreundliche Mails/Papier-Briefe können neue Fragen aufwerfen, die nie mehr beantwortet werden können.

Oder wenn Eltern trotz langer Krankheit alles ungeordnet zurücklassen, nicht einmal Passwörter für die wichtigsten Online-Angelegenheiten hinterlassen****
machen sie es ihren Kindern damit nicht nur
schwer den Nachlass zu bewältigen.

Sie teilen ihnen damit auch ganz unwillkürlich etwas mit – genauso wie beispielsweise mit einem Testament – (nach dem Motto, „Wir können nicht nicht kommunizieren“*****).
Im Fall des Ungeordneten zum Beispiel kann
emotional die Ansage ankommen: "Mir ist egal, wie es dir nach meinem Tod geht."


- Für unsere Familie 

Schon mit einer einzigen DIN A4-Seite zusammenhängender Geschichte über euer Leben könnt ihr – wissenschaftlich nachgewiesen – viel bewirken.

Denn wenn ihr Familien-Alben durchschaut, wen erkennt ihr da noch? Was wissen selbst eure Eltern noch über die Personen auf den Fotos? Meist doch noch nicht einmal ihre Namen oder wie sie überhaupt mit euch verwandt waren!

Das Wissen über ihre Vorfahren und deren Lebensgeschichten ist für Kinder jedoch von entscheidender Bedeutung******. Es scheint sie sehr zu stärken, die Zugehörigkeit zu einem Clan und seiner Kontinuität aus der Vergangenheit heraus zu spüren, genauso wie die Inspiration daraus zu gewinnen, wie eigene Familienmitglieder Widrigkeiten überwunden haben.

Ihr könnt euch mit Oma, Tante oder Onkel zusammensetzen und ein kleines Interview führen. Jedoch nicht vergessen, auch ihr selbst werdet vielleicht so schnell vergessen und 
auf den Familienfotos zu einem Niemand werden! 

Deshalb vielleicht lieber jetzt eine halbe Stunde eures Lebens investieren, um einen

Mini-Bericht über die eigene Herkunft, Geschwister, Werdegang, Beruf und wozu auch immer man Lust hat zu verfassen. Und dieses Blatt hinterlegen in einer Art ganz selbstverständlichen
Familien-Buch, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, elektronisch und sonst wie.


Schließlich wollen wir vermutlich alle

eins vermeiden:

In unserer letzten Minute Verpasstes bereuen…






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