Donnerstag, 15. September 2016

Schönheit erlaubt?







Immer noch können sich in Deutschland viele nicht eingestehen, dass es beim Äußeren wirklich ums Äußere geht und gehen darf!

Anders lässt sich das Schild dieses Beautysalons aus dem Prenzlauer Berg in Berlin nicht erklären:




Und das von diesem Laden: 




Dabei ist doch der argumentative ideologische Zug längst abgefahren, wenn man überhaupt einen Beautysalon eröffnet!

Aber das ist so ähnlich wie die neue – unter anderem von Rihanna betriebene – Bewegung hin zu No-Make-up-Auftritten, während man zeitgleich Make-up-Linien auf den Markt bringt...

Andere sind da wenigstens ironisch:







Und nachdem auch bei uns die amerikanisch gestylten Abi-Bälle und große Hochzeiten Einzug gehalten haben, wird auch in Deutschland mal vielleicht ein so ehrliches Schild hängen können, wie das JanaBlog schon vor vier Jahren in New York entdeckte:













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Montag, 29. August 2016

Die letzten Löwen







Wollen wir nur noch solche Bilder machen,
oder lieber Fotos von fröhlichen lebenden Löwenjungen?
Einmal im Leben einen wirklich wilden Löwen sehen!

Schon in zehn Jahren könnte das ENDGÜLTIG unmöglich sein, weil es schlicht

keine Löwen, keine Leoparden und keine Geparden mehr geben wird.

Dann gibt es Löwen nur noch aus Marmor, und wir verlieren unser wichtigstes Wahrzeichen für wilde Stärke und noblen Mut.

Und es wird keine Geschichten mehr geben wie diese –

ein Ausschnitt aus der fortlaufenden TV-Serien-artigen Geschichten Afrikas,

in der es wie es sich gehört immer wieder um die gleichen Dinge geht: 

Wer ist schwanger, wie entwickeln sich die Kinder, sorgt der Vater für die Familie, geht jemand fremd, gibt es eine Scheidung?:

Bei unserer Ankunft treffen wir zunächst zwei relativ junge, aber große Löwen, die sich in das von dem ansässigen Löwen-Mann beherrschten Gebiet hineinwagen. Sie wollen ihn herausfordern und verjagen, um sein Gebiet und seine Löwinnen zu übernehmen.

Wir sehen die beiden, wie sie innerlich mit sich ringen: der stärkere und größere der beiden Brüder will vorangehen, während der zweite in Streik tritt: ihm ist es einfach zu riskant, denn: die beiden wissen noch nicht, ob dieses Gebiet noch immer von den wohl bekannten zwei großen starken Senior-Brüdern beherrscht wird – was für sie in einem Kampf lebensgefährlich wäre.
(Sie wissen nicht, was der Zuschauer weiß: dass in Wirklichkeit der stärkere der beiden Herrscher schon seit einem Jahr verschwunden ist, und sie in Wahrheit leichtes Spiel hätten! Der verbliebene Herrscher-Mann versteckt sich übrigens gerade in der entgegengesetzten Ecke seines Gebiets, und ruft nachts noch nicht einmal – um nicht auf sich aufmerksam zu machen.).

Für die zwei Löwinnen-Mütter in der Nähe des Camps wird es deshalb schwierig. Bereits einen Tag vor unserem Eintreffen war eines der beiden zwei Monate alten süßen Löwen-Baby-Knäuel verloren gegangen. Sein verbliebenes Geschwister ist so entzückend, dass man es am liebsten aufheben möchte und mitnehmen. 

Es bleibt also ein Mini-Knäuel und sein elf Monate altes Geschwister.
Herrlich, an ihrem Leben teilzunehmen. Sie spielen und jagen zu sehen (wobei das elf Monate Junge die Jagd häufig ruiniert, indem es einfach zu früh aus dem Gras hüpft und damit die eingekreiste Antilope zu früh warnt).
Dabei genießt man jeden Augenblick ganz bewusst, denn: die
Überlebensaussichten der Löwen-Babys sind sehr schlecht. Sollte es den beiden jungen Kandidaten-Löwen gelingen, bald das Gebiet zu übernehmen, werden sie die beiden Süßen nämlich töten.

Das tun sie natürlich nicht aus bösem Willen, sondern weil die Natur es praktisch eingerichtet hat: Um ihre eigenen Gene ganz schnell weitergeben zu können, müssen sie die fremden Löwenjungen töten, um ganz schnell ihre eigenen mit den ansässigen Löwinnen zeugen zu können.

Jetzt kommen leider wir Menschen ins Spiel:
Die Überlebenschancen dieser süßen Löwen-Babys sind deswegen besonders schlecht, weil wir Menschen die stärksten und schönsten Löwen so gerne töten und in Wohnzimmern hängen haben. Nachdem wir das jetzt eine ganze Zeit lang so gemacht haben, sind im allgemeinen die Nachwuchs-Löwen-Männer nicht mehr so stark wie früher.

Dabei muss die Herrschafts-Zeit eines männlichen Löwen etwa 2-3 Jahre betragen, damit seine Kinder so groß werden, dass sie von feindlichen/neuen Stiefvätern nicht mehr getötet werden können. Immer seltener schaffen die schwächeren Löwen-Männer jedoch, ihr Gebiet lang genug zu halten und damit ihre Kinder durchzubringen. Dahin sind die Zeiten, als riesige Löwenmännchen ihr Gebiet für 7 Jahre halten konnten, und damit mehrere Generationen zeugen und beschützen konnten. Immer mehr entscheidet nicht Kraft und Qualität des Einzelnen, sondern Zahlen: männliche Löwen müssen sich viel häufiger in Koalitionen zusammentun, um eine Chance zu haben. Und wenn die neuen Stiefväter schon vor Ablauf der drei Jahre den bisherigen Herrscher vertrieben haben, haben sie ihrerseits auch keine Zeit zu verlieren, denn auch sie müssen befürchten bald wieder vom Thron abgesetzt zu werden.

Ergebnis:
- Die Löwen haben insgesamt viel seltener Nachwuchs, der es ins Erwachsenenalter schafft, und
- deren Gene sind nicht die der stärksten Löwen mit den größten Mähnen und der meisten Kraft.

Dies ist nur ein kleiner Puzzlestein, einer der vielen Menschen-Faktoren, nachdem die Löwen 3,5 Millionen Jahre lang erfolgreich ohne uns ausgekommen sind. Und jetzt
haben wir es geschafft sie innerhalb von 50 Jahren von 450.000 auf 20.000 zu dezimieren. Wenn es so weitergeht, gibt es

in zehn Jahren keine wilden Löwen mehr.

Wir haben unsere Wildnis auf 10 % reduziert. Verständlich vielleicht – aber
die Menschheit kann sich diese 10 % mittlerweile nun wirklich leisten!

Die Uhr tickt jetzt wirklich sehr schnell – und ihr könnt helfen:

- Erzählt allen weiter, wie bedroht Löwen sind,
euren Kindern, Schülern, Studenten, Freunden und Familie,
wunderschöne Videos dazu findet ihr hier:
- Fragt gerne bei JanaBlog nach, woran das große Löwen-Sterben liegt,
oder schaut euch dies hier an:

- Fahrt nach Afrika und zeigt damit, dass sich lebende wilde Löwen
für Foto-Safari für die betreffenden Länder lohnen, und
Trophäen-Jäger überflüssig sind.

- Helft mit Ideen (oder gar Geld), und zwar hier:



Foto: Michael Nichols

Und zum Genießen: schaut euch den Kinofilm
 „The Last Lions“ an,
von Dereck und Beverly Joubert, (in Deutschland zurzeit (nur) auf iTunes)

Foto: Beverly Joubert




Dies ist die überarbeitete Fassung des bereits am 17.8.2011 erschienenen Posts „Geschichten“ von JanaBlog


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Mittwoch, 27. Juli 2016

Kunde kein König







Wie schützt IHR euch vor Alltags-Ausbeutung und der schlechten Laune danach?

Als Kunden werden wir im Alltag von neuen Monopolen mehr ignoriert denn je und

viele Produkte werden durch Updates nicht besser, sondern schlechter.

Was tun wir eigentlich dagegen?
Wir sind doch sonst angeblich so Ego-stark, oder?
Schließlich leiden wir dadurch unter echtem Gesundheits-destruktiven Stress.
  
Beispiele:

•          Onlinediensten (und Co., – wie Streaming-Diensten, TV, To-do-Programmen, Phone-Herstellern) sind wir Kunden so egal, dass sie in Updates sogar zentrale Funktionen der Anwendung/Dienstleistung weglassen oder das Produkt verschlechtern.
Denn sie wissen: Sobald sie uns und unsere Daten so fest an sich gebunden haben, dass es für uns wegen des schier unmöglichen Daten-Transfers zu unbequem wird noch mal zur Konkurrenz zu wechseln, „haben“ sie uns.

•          Paket-Zulieferer schubsen uns unbekümmert herum.
Wieso? Obwohl wir Empfänger von Waren und Dienstleistungen sind, sind wir nicht die (den Beförderer be-)zahlenden Kunden (sondern der Versender sucht dem Pakets-Lieferanten aus).
Aber ganz ehrlich, von anderen zentralen Dienstleistern lassen wir uns trotz Bezahlung Unzumutbares gefallen, Stichwort Deutsche Bahn.

•          Die psychische Tortur des Online-Supports/Callcenter lassen wir einfach Teil unseres Alltags sein. Die Anbieter quälen uns ganz absichtlich weil es sich rechnet und wir haben sogar schon einen psychologischen Fachbegriff dafür (call support rage)*,


gesehen in Berlin
 (nicht das Schild von JanaBlog!)
Die Beispiele kennen wir alle, deshalb führt JanaBlog ein paar weiter unten auf, damit ihr euch hier erst mal nicht zu sehr aufregen müsst, andererseits aber sehen könnt, dass ihr nicht alleine seid. Jedenfalls:

Die Hilflosigkeit angesichts sich verschlechternder Dienstleistungen online, überflüssiger Warte-/Urlaubs-Vormittage und Anrufe bei Callcentern aller Art empfindet unser Körper laut Psychologen als ganz normale physische Bedrohung. Unsere gesunde Reaktion, nämlich Angriff oder Flucht ist dann nicht möglich, so dass der Körper im sozusagen verdeckten Stress/Zorn vor sich hin raucht.**(Das gute alte Einschlagen auf Geräte ist ja passé, dafür brauchen wir sie zu sehr!)

Es kann ja bis hin zum echten emotionalen Schmerz gehen: Es tut euch im Herzen weh, wenn die gesamte Musik eures Lieblings-Interpreten von eurem Streaming-Dienst heruntergenommen wird, oder wenn ihr einen neuen TV-Receiver installiert und all eure aufgezeichneten Sendungen mit einem Streich verloren sind (nicht aber die dank eines Produkt-Fehlers unwiderrufliche Programmierung für die Aufnahme von völlig überflüssigen, bereits bereuten Serien!). Und ihr (und eure ganze Familie!) seid montags schlecht gelaunt, weil ihr das Wochenende mit der mittlerweile kaum zumutbaren Apple-Installation eines neuen iPhones verbracht habt.

All das belastet uns mehr, als wir uns eingestehen. Schließlich sind viele von uns bereits von der Sofortness-Symptomatik befallen, (http://janablog1.blogspot.de/2015/02/sofortness.html), wir erwarten also ganz im Gegenteil zu unseren Update-Callcenter-Erfahrungen, dass Dinge so schnell wie im Computer auf Knopfdruck passieren und bekommen schon ernsthafte psychische Schwierigkeiten wenn wir kurz in der Postfiliale in der Schlange stehen müssen oder wenn in der Boutique der nächste Spiegel nicht einen, sondern sechs Schritte entfernt ist.

Warum wehren wir uns nicht?

...
JanaBlog hat mal bei Hermes (Paket-Lieferant) eine Entschädigung erkämpft, und erhielt als Schadensersatz Telefon-Karten. Daran, dass wir alle überhaupt nicht mehr wissen was Telefonkarten waren sieht man, wie lange das her ist.


Ist das also die Zukunft?
Trotz/wegen technischen Fortschritts (den JanaBlog an sich liebt)

ein chronisches Opfer sein?

Dabei – wie war das noch, der alte Spruch? „Der Kunde ist König“?

Da macht es doch hier unser Gastwirt Franz in seinem Gartenlokal ganz vorbildlich:











(Wer sich das Ausmaß der von uns hingenommenen Zumutungen klar machen will,
wer sich ordentlich mit-aufregen will,
wer hier neu ist,
oder wer Dinge verkauft/Callcenter einrichtet/Updates entwickelt, kann gerne hier weiterlesen. 
Ganz unten gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer!

Hier also JanaBlog-Beispiele:

Callcenter:
-JanaBlog hat letzthin 24 Minuten in der Schleife eines Zeitung-Abo-Callcenters gehangen, um mit jemandem zu sprechen der eine kurze Liefer-Unterbrechung für ihre (ja! Papier-) Zeitungen einträgt. Das ist von der Zeitung natürlich Absicht, sie will JanaBlog abschrecken damit sie alles nur noch online macht, dagegen spricht aber für den Verbraucher zweierlei: er kann sich nicht mit seiner Kundennummer anmelden, sondern braucht wieder neue zusätzliche Passwörter und Zugangsdaten, außerdem hat der Kunde interessanterweise bei einer Lieferunterbrechung online weniger Optionen als per Telefon, was er mit der Zeitung in der Zwischenzeit machen will: eine Gutschrift ist nur per Telefon möglich.

-Die meisten Anbieter haben ja ohnehin überhaupt keine Telefonnummer mehr, sondern nehmen ausschließlich eine Beschwerde-Mail/Kontaktformular/Ticket entgegen, die sie dann gut und gerne eine Woche selbst bei einem dringlichen Technik-Problem nicht beantworten (müssen).
  

Pakete:
-Der Kunde hat keine Wahlmöglichkeit welchen Zulieferer er bevorzugt (wie am Anfang der Amazon-Zeiten übrigens!). Das lässt den Verkäufern die maximale Freiheit, ihre verhandelten Kontingente je nach Bedarf auszuschöpfen, lassen aber den Kunden im Regen stehen.
-Briefmarkenautomaten und Postfilialen werden abgeschafft, so das nicht wenige Menschen ewig mit dem Bus reisen müssen, um ihr Paket abzugeben oder abzuholen.
-Private Paket-Beförderer sind nicht viel besser. Gerne hinterlegen sie das Paket in der Walachei irgendwo in einem früh schließenden Zeitungs-Kiosk, sehr gerne ohne einen zweiten Zustellversuch.
Oder die Pakete werden einfach vor der Wohnungstür liegen gelassen. Und/oder die Empfangs-Unterschrift des Kunden gefälscht.
Oder der Paketbote klingelt erst gar nicht.


Wird schlechter:
-Früher war die Online-Geschenk-Verpackung eine großartige Sache, zum Beispiel bei Amazon. Dann begannen die Geschenkverpackungen halb angerissen einzugehen, so dass man auf Bücher.de umschwenkte, wo man sich sogar eine Karte und Geschenkpapier (seit vielen Jahren allerdings das gleiche!) aussuchen konnte und es billiger war. Und was passiert jetzt? Zunehmend wird ganz erratisch irgendein (völlig unpassendes, zum Beispiel Kinder-Geschenkpapier) entgegen den Wünschen verwendet in der Hoffnung, dass der zahlende Kunde es gar nicht merkt (denn er schickt es ja in der Regel direkt zum Beschenkten).

-Die Autokorrektur von Diktat-Software kann nach vielen Jahren plötzlich nicht mehr ein „Wort groß schreiben“.

-Die Hamburger U-Bahn: Stolz wird die neue U-Bahn eingeführt, allein:
Warum sind die Fenster aus schwarzem Glas?
Die überflüssige Dunkelheit verhindert nicht nur eine schöne Aussicht auf den Hafen wenn die U-Bahn spektakulär oberirdisch fährt, sondern man kann von außen nicht sehen, welche Wagen leer sind und wo es sich lohnt einzusteigen, und das Beste: von innen heraus sieht man nicht mehr, an welcher Haltestelle man ist (und die schönen Monitore und Ansagen drin irren sich gelegentlich!). Als ob ein Schutz vor zu viel Sonne das Hauptproblem bei einer U-(Untergrund!)Bahn wäre!

 -Ein Todo-Programm ist nach seinem letzten Update plötzlich ohne Kalender-Funktion eingerichtet und so schlecht handhabbar, dass die Kunden beim automatischen Update tatsächlich erst einmal dachten, ihr Programm wäre abgestürzt. Das ist übrigens noch das einzige JanaBlog bekannte Projekt, wo es die Entwickler möglicherweise zu weit getrieben haben – ein Aufruhr unter den Kunden (ein echter Shitstorm wäre wahrscheinlich nützlicher) ist im Gange, vielleicht verändert sich doch noch was?
  

Na, klingt etwas davon bekannt?) 

  


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Freitag, 1. Juli 2016

Kunst bringt Technik.







Art Basel-JanaBlog-Entdeckung zur abstrakten Malerei
und damit Ausnahme von der 
Regel dass nur Bekanntes an den Wänden hing:
Lesley Vance, Untitled, 2016
Galery Xavier Hufkens
… und andere JanaBlog-Trends von der Art Basel 2016.


- Wir brauchen Hilfe von der Kunst, um den technischen Fortschritt zu FÜHLEN.

Denn wir wähnen unseren Arbeitsplatz immer noch sicher: „Friseure wird es immer als Menschen-Job geben“, beruhigen wir uns. Dabei waschen und schneiden schon heute Roboter unsere Haare* und werden langfristig selbst Köche und Musiker ersetzen.**

Zum Eingewöhnen versuchen uns nun die Künstler auf der Art Basel 2016 spürbar beizubringen, wie die Lage wirklich ist: So zeigen sie uns 

wie präzise wir überwacht werden können und wie sich das anfühlt:





Rafael Lozano-Hemmer und Krzystof Wodiczko, 
Zoom Pavillion, 2015
Galerie Carroll/Fletcher

In diesem Raum werden nicht nur alle Gesichter aus allen Perspektiven erfasst, sondern laufend auch die Nähe und Stellung der Menschen zueinander im Raum analysiert. Auf der Rückwand sieht man auf einer Wand die Porträts von all denjenigen, die in den vorangegangenen Tagen in diesem Raum gewesen sind. Galeristen berichten, sie hätten das Bedürfnis den Bauch einzuziehen und möglichst toll auszusehen – aber das ist noch die geringste ihrer Sorgen. Man wird sich bewusst, dass man mittlerweile auf einer ständigen Lebens-Bühne steht und dass man nicht nur gesehen, sondern AUFGEZEICHNET wird.
  
Wie man Ton und Geräusche mit einer
Schallkanone als Waffe einsetzen kann, ist wohl den wenigsten klar. Auch gut gegen Demonstranten einsetzbar. Der Künstler hat hier nicht zufällig einen chinesischen (Schauspieler als)“ Soldaten“ neben die Kanone gestellt.


Teil der Installation. Hoch über der Halle Art Unlimited links ist die Kanone zu sehen.
An der Hallen-Wand gegenüber konnte man eine Art Terrasse betreten, in der Höhe der Kanone,
direkt in ihrem Schaltrichter, und hören, wie intensiv und passgenau der Schall versendet werden kann.
Zum Glück verwendete der Künstler hier als Probelauf nur bezaubernde Vogelstimmen.
Samson Young, Canon, 2015
Galerie Gisela Capitain und team gallery 

Und wie natürlich sich auch Roboter bereits bewegen können, ahnen wir normalerweise auch nicht. Hier ein Roboter der endlos(!)
einen Bleistift auf seiner Spitze balancieren kann:
  

Steven Pippin, Omega=1, 2003-2013
Galerie Gawjn Brown's enterprise 

Dem technischen Fortschritt an sich, ganz ohne Roboter, hat die Künstlerin Rachel Whiteread ein besonders liebevolles Denkmal gesetzt, indem sie eine der ältesten technischen Erfindungen der Menschheit zum kostbaren Kunstwerk gemacht hat:
das Fischernetz.


Rachel Whiteread, Untitled (Nets) 2002
 ( Suite of five etched German silver (copper/nickel/zinc)
sheet metal gratings mounted to white Museum Board mats)



Detail aus
Rachel Whiteread, Untitled (Nets) 2002
 ( Suite of five etched German silver (copper/nickel/zinc)
sheet metal gratings mounted to white Museum Board mats)

Wer macht sich sonst schon die Mühe, die Schönheit im Allerkleinsten zu sehen?



- Was sonst noch interessant war?

Wenig neue Künstler, teilweise wurden auf exakt den selben Stellflächen wie im Vorjahr exakt dieselben Künstler ausgestellt.

Dafür Großes von Großen:

Zwei große beeindruckende zeitgemäße Kunstwerke von Iannis Kounnelis (wer Mona Hatoum zu schätzen weiß, hätte sich über all die scharfen Messer gefreut).
Ein beeindruckender Raum von Julian Schnabel, weiter großartige iPad-Stücke von David Hockney (die ihren Wert zum Vorjahr um fast 50 % steigern konnten) und auffällig vieles Hochkarätige von Jean-Michel Basquiat. Und immer wieder stark – sorry Guys – Takahashi Murakami,

Die Verbindung der dreidimensionalen Realität mit unserer Online-Bilderwelt schaffte allerdings am besten dieser Künstler:
  

Daniel Silver,
"Alison Fitzpatrick, Moshe, Nina Omotoso,
Tomak" , 2016
Frith Street Gallery

So vorbildlich Fashion-schlank und schön und lässig diese Party-Clique auch herumsteht, ihre Gesichter sind Instagram-genormt, austauschbar und so wenig individuell, dass es sich anscheinend gar nicht lohnte sie voll auszugestalten:



Daniel Silver,
"Alison Fitzpatrick, Moshe, Nina Omotoso,
Tomak" , 2016
Frith Street Gallery


Hoffen wir, dass das neue Kunst-Jahr bis zur Art Basel 2017 kraftvoller wird als diese Gestalten – 
so kraftvoll wie das


- JanaBlog-Lieblingsstück der Art Basel 2016!:



"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami


Damit ihr seht, wie es hängt und mit Besuchern aussieht:


"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami

Und ja, kraftvolle Drachen aber auch: überall kleine Memento mori!

Detail aus
"Dragon Heads - Gold", 2015
Takahashi Murakami




So viel also zu Kunst an sich. Wer sich eher für die spektakulären Zahlen der Art Basel 2016 interessiert wird hier fündig:




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Hängt und hängt und

Montag, 27. Juni 2016

Rücktritte, einfach so.

(Aus der Reihe: Ist das Trend?)







Aus einer öffentlichen Ehren-Rolle zurücktreten,

-sobald sie einem persönlich das gebracht hat was man haben wollte? (Philipp Lahm nach der Weltmeisterschaft 2014)
-sobald man sich ein bisschen müde fühlt (Ole von Beust, der frühere Bürgermeister von Hamburg)
-oder es mal nicht so läuft? (Lionel Messi nach einem verlorenen Finale*)

Ist die 

Mitgliedschaft in der Nationalmannschaft oder ein öffentliches Amt nicht eine Ehre, statt ein lästiger Nebenjob? 

Sollen wir unseren Kindern beibringen, dass ein öffentliches Amt, 
eine öffentliche Rolle nur eine Art Selbstbedienungsladen für den Selbstwert ist?


Beispiele:

Philipp Lahm, der ehemalige Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft (mit der er 2014 Weltmeister geworden ist), ist mit 30 Jahren direkt nach der Weltmeisterschaft zurückgetreten. Aber Achtung:genauso wie jetzt Lionel Messi 
nur aus der Nationalmannschaft!!! 
Kurz vor der Mitteilung schloss Lahm einen lukrativen Verlängerungs-Vertrag mit FC Bayern München ab, für vier Jahre (bis 2018, dem Zeitpunkt der nächsten WM).

Das heißt: Er war topfit, konnte immerhin in einem der allerbesten Vereine der Welt** (und ja, auch JanaBlog muss es erwähnen: für sehr viel Geld) spielen. Und die Arbeit in der Nationalmannschaft hatte ja das Gewünschte für ihn gebracht: er trat als Weltmeister ab.

Ole von Beust, der frühere Bürgermeister von Hamburg, wurde 2008 von den Bürgern Hamburgs tatsächlich sehr persönlich in das Amt gewählt. Sprich: Wäre er nicht persönlich als Kandidat angetreten, hätte seine Partei vermutlich nicht gewonnen. Er trat bereits nach zwei Jahren Amtszeit ab***– nicht aus gesundheitlichen Gründen oder ähnlichem, sondern – wieder einmal – einfach so („ ein vernünftiger Zeitpunkt“). Dabei könnte man doch die (immerhin nur!) Vierjahres-Amtsperiode als eine Art Vierjahres-Vertrauens-Vertrag mit den Hamburger Bürgern betrachten, oder nicht?

Jürgen Klinsmann, der umjubelte Nationaltrainer, trat direkt nach der WM 2006 zurück. Er hatte mit dem Sommermärchen etwas großartiges angestoßen, die ganze Nation dachte, jetzt geht es los, wir beginnen einen Anlauf auf den Weltmeister-Pokal, und er drehte sich um und ging weg. Ungeachtet dessen, welches Symbol er für das Land geworden war verlängerte er seinen Vertrag mit dem DFB nicht. (Allerdings, er gab an „ausgebrannt“ zu sein (auch wenn er bereits einige Wochen nach der WM Gespräche über einen neuen Job (in den USA) führte und man denken könnte: Einen ordentlich verlängerten Urlaub hätte er doch bestimmt auch bekommen, oder?))****.


JanaBlog-Ausblick:

Die Nationalmannschafts-Spieler waren 2014 in ihren Kondolenz-Bekundungen so verständnisvoll *****, eigentlich hätte doch die ganze Nationalmannschaft damals geschlossen zurücktreten müssen, oder?
Denn sie alle liefen Gefahr, nie mehr Weltmeister zu werden und damit ihren Zenith bereits überschritten zu haben!! Musste da mancher gar denken: Hält mich Philipp Lahm oder gar andere für dumm, wenn ich nicht auf Nummer sicher gehe und jetzt als strahlender Star abtrete? ((Jetzt Beruhigung von JanaBlog für die Spieler:
Weltmeister und somit Held bleibt man für die Fans sein ganzes Leben lang! Egal was danach kommt!!))

Zum Glück sahen es noch genügend Nationalspieler anders und wollen lieber ein anderes Spiel spielen – eins auf angenehmes Risiko – – nämlich versuchen, Europameister 2016 zu werden oder gar – – noch einmal Weltmeister!


Eine solche Vorbildfunktion würde JanaBlog insgesamt gefallen:

dass schon alleine der Kampf um den Erfolg für das öffentliche Team

den Spielern, Amtsinhabern und der Öffentlichkeit etwas wert ist…!








**JanaBlog hat nichts gegen Bayern München übrigens, ganz im Gegenteil! Vermutlich als einzige nördlich des Mains!
***Das fanden damals aber nicht alle gut, auch wenn nur die SPD damals JanaBlogs Gedanken fast wörtlich ausdrückte: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburger-buergermeister-ole-von-beust-gibt-ruecktritt-bekannt-a-707147.html
**** Damals trauten sich wenige ein kritisches Wort zu äußern, am besten zu sehen die vielfältigen Stimmen unter dem zweiten Link, Pressestimmen: http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Klinsmann#Nach_der_Fu.C3.9Fball-Weltmeisterschaft.C2.A02006
http://www.rp-online.de/sport/fussball/nationalelf/pressestimmen-zu-klinsmanns-dfb-ruecktritt-bid-1.1454014
*****Gabor Steingart in Handelsblatt Newsletter vom 21.7. 2014:
"Viele loben den Kapitän der Nationalmannschaft Philipp Lahm für seinen Rücktritt - auch unser heutiger Leitartikler. Dabei muss man nichts mehr fürchten als einen Nachahmungseffekt. Wenn es klug wäre, auf dem Höhepunkt der Karriere zu gehen, müssten die Chefs von VW, Daimler, BMW und SAP sowie Angela Merkel noch heute Vormittag ihre  Büros räumen. Das Ergebnis: Wir hätten mehr Helden und weniger Wohlstand".


Dies ist die leicht überarbeitete Fassung des bereits am 22.7.2014 erschienenen Posts von JanaBlog


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